Fukuoka, Nagasaki, Osaka und Yobuko
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Nachdem wir die Seto-Inlandsee durch die Kanmon-Straße verlassen hatten, kamen wir in Fukuoka an. Das war erst mal eine Umstellung, denn wegen eines Sturms weiter draußen stand eine fiese Dünung, die so dicht unter der Küste, wo wir fuhren, für unangenehmen Seegang sorgt. Auf dem Weg zur Odo Marina in Fukuoka. Dort hat Kirk Patterson, unser Agent, sein Büro. Er kam gleich vorbei, aber da saßen wir schon in der Izakaya. Das sind Restaurants, die alle möglichen Gerichte anbieten, ohne sich auf eine bestimmte Küche zu spezialisieren. Das findest du hier nämlich oft: Restaurants nur mit Yakitori, oder Teppanyaki (sehr teuer, kaum zu finden), Sushi, Okomoniyaki usw. Diesmal war es richtig gut. Ansonsten natürlich nur Japaner, denn Fukuoka liegt nicht so wirklich auf „der Route“ der Touristen.
Am nächsten Tag klappt es dann doch mit dem Treffen, und wir haben ein nettes Gespräch. Marion hat ein Auto gemietet, einen Toyota Prius. Das neue Modell ist wunderschön, aber innen nicht besonders groß. Dafür wahnsinnig sparsam: Wir fahren in drei Tagen 500 km mit 20 Litern Benzin. Zuerst geht es nach Nagasaki, wo wir zwei Nächte in einem Luxushotel schlafen. Abends essen wir am Wasser die lokale Spezialität, „Champon“-Nudeln. Jede Stadt oder Region in Japan hat gern etwas „Eigenes“ in Sachen Essen, falls dir das noch nicht aufgefallen war.
Am nächsten Tag zuerst ins Atombombenmuseum. Anders, aber mindestens genauso beeindruckend wie Hiroshima. Wieder völlig ergriffen kommen wir heraus.


Nach dem Mittagessen geht es weiter nach Dejima, dem alten Handelsposten, wo die Niederländer 200 Jahre lang als einzige Ausländer mit Japan handeln durften. Die VOC betrieb vor allem „Dreieckshandel“: In Indien und China wurden Seide und andere Waren eingekauft, die die Japaner haben wollten; mit dem Silber und Kupfer, das man dafür bekam, wurde wieder neue Seide usw. gekauft, und mit dem Gewinn kaufte man die Gewürze wie Pfeffer und Muskatnuss, die in Europa so begehrt waren. Dejima ist im Laufe der Zeit komplett verschwunden, wie das überall in Japan so läuft. Um die 80er-Jahre herum kam man auf die Idee, dass sich daraus eine schöne Geschichte machen lässt, und die Gebäude wurden im (halbwegs) originalen Zustand wieder aufgebaut. Wirklich toll gemacht und auf jeden Fall historisch fundiert.

Am nächsten Tag fahren wir über die wunderschöne Insel Kyushu nach Huys Ten Bosch. Jaja, der Palast unseres Königs. Steht hier als Nachbau, genau wie das Centraal Museum von Amsterdam, das Wassertor von Sneek und noch vieles mehr. Es ist der größte Freizeitpark Japans. Schon besonders, dass der also niederländisch ist. Fake, sehr fake, aber trotzdem witzig. Wir schlafen im Hauptbahnhof, der bei näherem Hinsehen nicht im Park liegt. Wir müssten ordentlich blechen, wenn wir noch kurz in den Park wollten, also entscheiden wir uns gemütlich fürs Onsen. Blitzsauber und erfrischt sitzen wir beim Abendessen. Am nächsten Tag fahren wir nach Hirado, dem allerersten Standort der VOC. Hier waren auch noch Portugiesen, bevor man ihnen die Tür wies, weil sie zu viele Leute bekehren wollten. Auch hier wieder ein wunderschönes, komplett wiederaufgebautes Gebäude, ein Lagerhaus, das wieder ein Museum ist. Wir lesen wieder alle Schilder (na ja, die englischen) und sind jetzt wirklich „auf dem Laufenden“ über den Niederländer, die VOC und Japan. Der Shogun beschloss, dass die Niederländer aus Hirado weg und eben nach Dejima umziehen mussten – heute vermutet man, um dem Hirado-Clan eins auszuwischen; mir scheint aber auch, dass die vielen Christen, die es auf Hirado schon gab, eine Rolle gespielt haben. Auch ein lokales Museum, das Matsura History Museum, wird noch besucht.



Über eine noch schönere Nordküste und einen kurzen Abstecher nach Urata, der Werft, auf die das Boot nächsten Monat kommt, fahren wir zurück nach Fukuoka. Dort schauen wir uns noch einen Tag in der Stadt um, bevor wir richtig auf Mini-Trip-im-Trip gehen. Mit dem Shinkansen sind wir in 150 Minuten rund 600 km weiter, in Osaka. Hier vergnügen wir uns mit den Freuden einer echten Großstadt. Das Elektronikviertel ist etwas enttäuschend, das ist heutzutage vor allem Anime. Es gibt noch genau einen Laden mit echten Bauteilen, wo ich eine schöne Platine ergattere. Außerdem gehen wir zu einer Vorführung von zwei ehemaligen Sumoringern. Spannend, das mal aus der Nähe zu sehen. Der krönende Abschluss kommt am nächsten Tag: ein Besuch in einem Drei-Sterne-Restaurant, dem Hajime, anlässlich unseres Hochzeitstages ein paar Tage vorher. Wow, ein echtes Erlebnis. Das Essen gibt es in Europa auf gleichem Niveau, aber der Service ist wirklich unglaublich. Vorher hatte Marion einen Friseur-und-so-weiter-Tag, und Ella und ich besuchen die Burg von Osaka und das Osaka Museum of History. Auch hier wieder: Wenn etwas nicht mehr da ist, baut man es eben wieder auf, oder? Die Burg steht erst seit 1932 oder so, und das ist jetzt schon die langlebigste von allen dreien, die es dort gegeben hat! Ganz nett, aber vieles hatten wir in Museen an der Seto-Inlandsee schöner gesehen.



Am nächsten Tag besuchen wir noch ein paar Museen und schließen mit Essen in Dotonbori ab. Das fängt direkt vor dem Bahnhof Namba an, dem größten Bahnhof Osakas. Dort gibt es unter der Erde auch noch rund 400 Geschäfte und mindestens genauso viele Imbisse. Und dann kommt Dotonbori selbst ja erst noch. Wir sind früh dran und haben im „Fließband“-Sushi-Restaurant reserviert; als wir rauskommen, kannst du über die Köpfe laufen …
Als ich zurück nach Fukuoka kam, lag da plötzlich eine andere ausländische Segelyacht! Das erste Mal seit dem dänischen Boot. Es sind Amerikaner (von der guten Sorte), die schon seit über 10 Jahren Vollzeit an Bord leben. Sie leben davon, anderen Seglern zu helfen, mit Seminaren, Workshops und Unterstützung bei allem Möglichen. Eine Art Kirk Patterson, nur eben remote. Jamie war von Beruf Segelmacher, also habe ich ihn gleich eingespannt, sich mal den Scheuerschaden am Großsegel anzuschauen. Im Gegenzug gebe ich ihm ein NMEA-2000-Interface, das ich sowieso nicht mehr brauche, dann kann er schön mit Claude weitermachen, sein Boot zu automatisieren. Am nächsten Tag (Mittwoch, den 26.) kommt er nachmittags vorbei, um es zu reparieren. Ja, das hätte ich auch selbst gekonnt: einfach bei einem Taft-Reparaturband die Rückseite abziehen und drüberkleben. Aber gut zu wissen, dass das reicht. Vorher allerdings mit Aceton reinigen. Ich habe ein paar Tipps bekommen und einen besseren Einblick in seine Meinung zur Lebensdauer von Laminatsegeln, auf jeden Fall nützlich zu wissen. Natürlich fiel ihm auch auf, dass das Boot mal ein Update vertragen könnte – die Lazy Jacks müssen dringend ersetzt werden. Aber weil das nur Hilfsleinchen sind, die sonst keinen Schaden anrichten können, steht das für diesen Monat auf dem Plan. Außerdem bin ich mit dem E-Roller zum Büro von Konpira gefahren. Na ja, etwas weniger heiß und ich hätte auch laufen können: Die sitzen direkt beim Hafen. Wir haben den kommenden Monat besprochen und wann genau ich zur Werft fahre, wo das Boot demnächst fünf Monate zurückbleibt … jetzt schon Stress deswegen …

Nachmittags fing es ordentlich an zu wehen, zu regnen und zu gewittern. Um halb sechs war es vorbei, dachte ich, also ging ich noch schnell zum Baumarkt, um Yogamatten zu besorgen; die wollte ich auf den Baum kleben, wo das Segel daran scheuert. Ich fand sogar noch besseres Zeug, eine Klebefolie, die man vermutlich benutzt, um Möbeln ein zweites Leben zu geben. Superglatter Kunststoff, das sollte also klappen. Dazu noch ein paar andere „letzte Kleinigkeiten“, denn so einen großen Baumarkt werde ich nicht mehr finden. Als ich aus dem Laden komme, ist es draußen pechschwarz und der Regen kommt eimerweise runter. Dann eben noch kurz in den Getränkemarkt unter demselben Dach, um den Vorrat an lokalem Craft-Bier aufzufüllen. Hat nichts genützt, ich musste trotzdem durch. Die Temperatur sackte von 32 auf 22 Grad ab, aber es war herrlich im Regen. Pitschnass steige ich fast lachend wieder an Bord. Herrlich, nach zwei Monaten so gut wie ohne Regen! Später lese ich auf Reddit, dass das der stärkste Sturm (abgesehen von Taifunen) seit mindestens 9 Jahren war.
Heute dann endlich wieder los. Odo ist eine schöne Marina, aber das Wasser ist nicht besonders sauber, viel Bewuchs am Unterwasserschiff, und du „riechst“ die Großstadt. Weil es heute womöglich wieder gewittert, geht es wieder in einen Hafen, Yobuko. Unterwegs versuche ich, den Propeller freizubekommen, stelle aber fest, dass das Wendegetriebe im Rückwärtsgang überhaupt nicht mehr funktioniert. Das wurde in den letzten Wochen schon schlechter, aber weil auch das Bugstrahlruder den Dienst verweigert, muss ich unbedingt rückwärts einkuppeln können. Also das Segel gesetzt (2 Knoten Wind …) und den Werkzeugkasten geholt. Nach etwas Tüftelei, wie es geht, stellt es sich als ganz simpel heraus, und der Bowdenzug ist schnell nachgestellt. Ich glaube, er hat sich in den letzten Jahren durch den Gebrauch etwas gelängt. Das Motoren läuft auch nicht ganz nach Wunsch, der Propeller ist eindeutig mit Viechern oder so zugewachsen. Um zwei Uhr liege ich in einem hübschen kleinen Hafenbecken, wo ich der Einzige bin. Schnell im Laden Fisch besorgt, heute gefangenen Bonito und Sashimi von einem anderen Weißfisch. Superfrisch, köstlich. Danach schnell ins Wasser, und tatsächlich: Der Propeller ist komplett mit einer weißen, kalkartigen Substanz verkrustet. Morgen mal schauen, ob der Fischmarkt offen ist, hier soll man nämlich Oktopus-Sashimi essen.


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