Die erste Woche Japan ist geschafft!

· Cruising, 2026, Japan

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So, die Überfahrt ist geschafft!

Es ist heute Nachmittag so heiß im Yachthafen von Nio, wo wir kurz nach dem Mittagessen angekommen sind, dass wir uns ins Hafenbüro zurückgezogen haben. Hier können wir herrlich an der Klimaanlage sitzen, bis oben das Restaurant aufmacht. Und endlich habe ich Zeit und Energie, ein paar Zeilen zu tippen…

Letzte Woche Montag sind wir dann, auf die Minute zur verabredeten Zeit, in die Hiroshima Kanon Marina eingelaufen. Die letzte Nacht auf See war plötzlich sehr voll: Fischerboote mit riesigen Lampen, alle paar Minuten Frachtverkehr um die Ohren, und dann, gegen Mitternacht, während du durch eine brodelnde Engstelle des Fahrwassers fährst, auch noch plötzlich Nebel! Wieder mal heilfroh über das Radar, und darüber, dass ich Maarten beigebracht hatte, damit umzugehen. In der Nacht ging es mit den Wachen etwas durcheinander, aber natürlich hatten wir auch das „Ankunftskribbeln“. Morgens fuhren wir dann plötzlich durch eine Landschaft! Mit Grün! Und Bötchen und Booten! Ganz besonders nach 4 Wochen auf See, in denen wir buchstäblich ein einziges Containerschiff gesehen haben. Auch vor der Küste war es überraschend ruhig. Und dann rein ins hiesige IJsselmeer und zack! Voll!

Die ersten vier Beamten warten schon, als wir anlegen

Am Steg angekommen konnten wir Marion und Ella zuwinken, die schon auf uns warteten. Aber zu denen durften wir noch nicht hin; erst die Formalitäten. Tomoko von Konpira (Abgesandte des Agenten) wartete schon auf uns. Die war auch früh aus den Federn, weil sie extra aus Fukuoka kommen musste. Wir waren noch nicht richtig festgemacht, da standen schon die ersten vier Beamten an Deck. Zuerst musste eine Dame vom Veterinäramt zufriedengestellt werden. Schnell ein Formular ausfüllen (hatte ich schon längst gemacht und eingeschickt, aber na ja), auf dem ich angab, keine Tiere an Bord zu haben, ein kurzer Blick nach drinnen, und sie war fertig. Danach war der Zoll zusammen mit der Küstenwache dran. Das war ganz lustig, denn der Zoll interessierte sich eigentlich überhaupt nicht dafür, ob wir Fleisch, Obst und Gemüse an Bord hatten. Wir hatten das amerikanische Hackfleisch und Hähnchen weggeworfen, genauso die Zwiebeln (noch jede Menge übrig) und ein paar Gemüsereste, dazu ein Dutzend Dosen ekliges panamaisches „Light“-Bier, denn laut Agent setzte es was, wenn wir zu viel Alkohol oder eben Fleisch und Gemüse usw. dabeihätten. Die leckeren Würstchen aus Panama hatten wir noch, aber da die im Gefrierfach lagen, dachten wir, wir lassen es mal drauf ankommen. Tja, war alles überhaupt kein Problem, solange wir es nicht nach Japan (also von Bord) bringen. Okay… Den Alkohol hat man sich schon etwas genauer angeschaut. Danach waren die Medikamente dran. Ich zeigte ihnen die Bordapotheke mit dem Zeug „this is for emergency“ und die großen Tüten für Marion und mich. Na, aus Letzteren suchten sie sich eins aus (gegen Bluthochdruck, nehme ich wegen der Nebenwirkung auf die Nieren). Das wurde dann von einem ganzen Apparat getestet. Mit Bedienungsanleitung – es war ganz offensichtlich das erste Mal, dass diese Leute das machten. Außerdem musste ich alle Kojen zeigen. Die wurden mit einem Tüchlein „abgeswabbt“, Tüchlein ins Tütchen, Nummer drauf (#1, #2, #3), und dann wurde auch mit Kreide auf den Boden (#1, #2, #3) geschrieben (nach Zustimmung des Skippers, versteht sich).

In der Zwischenzeit saßen die beiden hohen Herren, die mit den 3 Streifen sozusagen, gemütlich im Cockpit im Schatten, ich dazwischen, und feuerten Fragen auf mich ab. Wo ich gewesen sei, ob es da irgendwo kriminell oder gefährlich gewesen sei? Nein, ich mag keine Gefahr. Das war offenbar die richtige Antwort. Der andere Herr gleich hinterher: ob unser UKW-Funkgerät funktioniere? Ja, das funktioniert. Dann solle ich es unbedingt immer anlassen und Kanal 16 abhören! Ja, mein Herr, mache ich.

Gut 80 Minuten später waren sie fertig, und ich musste nur noch kurz rein zur Einwanderungsbehörde. Arnold und Maarten waren da schon vorher durch. Die zwei Leute von der Immigration hatten sich ein provisorisches Büro eingerichtet, mit diesem Gesichts- und Fingerabdruckscanner, den man heutzutage überall sieht. Superfreundlich, und 2 Minuten später war ich durch! Jetzt konnte ich endlich Marion (und Ella) wieder in die Arme schließen! Tomoko war beeindruckt, so schnell sei es noch nie gegangen! Flugs ins italienische Restaurant am Hafen, denn wir kamen fast um vor Hunger. Japanisches Essen hatten sie nicht so viel, aber die Pizza war prima, und das Bier kam aus Hawaii?!

Abends sind wir zum Essen und Schlafen nach Hiroshima, erst mal ein Bierchen in der erstbesten Izakaya, und ach, dann nehmen wir doch auch ein Häppchen dazu… Köstlich, nächste Runde wieder ein paar Häppchen, und ehe du dich versiehst, hast du etliche Bierchen und mehr als genug superfrischen Fisch und Häppchen intus! Am nächsten Tag war ich mit einer anderen Dame vom Agenten damit beschäftigt, Stickstoff für den Hydraulikzylinder (den Ella kurzerhand Linda getauft hat) zu organisieren. Da stößt du dann auf das „andere“ Japan: das der Vorschriften. Da ich keine Firma bin, mit der sie schon Geschäfte machen, wollen die Gaslieferanten kein Gas liefern. Und auch nicht über den Agenten. Über Amazon ist zwar was zu bekommen, aber wieder mit einem anderen Anschluss als üblich und in kleinen, teuren Fläschchen. Schließlich fand Marion jemanden, der irgendwann antwortete und tatsächlich einen Weg sah. Es stellte sich heraus, dass dieser Freiberufler in der Woche danach einen Auftrag in Tasmanien hat und dort problemlos die nötigen Anschlüsse und Schläuche besorgen kann! Schon bemerkenswert, wie das hier (nicht) funktioniert.

Inzwischen merken wir, dass es hier sowieso nicht weht, also kann der Stickstoff auch bis zum nächsten Besuch warten. Dann können die Niederlande und Deutschland eingespannt werden. Denn in den Niederlanden spazierst du einfach bei einem Gaslieferanten rein, kaufst eine Füllung, leihst dir eine Flasche, dann weiter zu einem Technikladen, der Hydraulik macht, kaufst ein Stück Schlauch und lässt dir für ein paar Zehner zwei Anschlüsse aufpressen, und fertig ist die Laube. Nur das Gas im Flugzeug mitnehmen klappt dann wieder nicht so recht, und die kleinen Fläschchen haben Anschlüsse, die wir nicht haben. Also ruht alle Hoffnung auf dem Herrn, der nach Tasmanien gefahren ist.

Am nächsten Tag hatte Marion eine Führerin organisiert, die uns die Gegend rund um das Hypozentrum der Atombombe zeigte. Das war ein richtig guter Schachzug, denn sie ging zum Beispiel mit uns in ein Bankgebäude, das größtenteils überlebt hatte – wir selbst wären an der Tür stehen geblieben oder hätten uns höchstens kurz drinnen umgeschaut. Aber es stellte sich heraus, dass das Museum im Keller war! So waren wir auch in einem Schulgebäude, das damals als eine Art zentrale Meldestelle gedient hat. Dort haben Eltern, die ihr Kind suchten, oder umgekehrt, damals lauter Nachrichten auf den schwarz verrußten Wänden hinterlassen. In den Jahren danach alles übertüncht, aber bei einer Restaurierung zeigte sich, dass darunter doch noch etwas zu finden war. Berührende Bilder von Menschen, die 50 Jahre danach doch noch eine Nachricht von ihrer Mutter, Schwester oder anderen Angehörigen zu sehen bekamen. Am Ende natürlich ins große Museum. Zum Heulen, natürlich. Das Leid war enorm, und vor allem auch danach. Niemand wusste, was „Fallout“ war, und Verbrannte mit unerträglichem Durst öffneten also ihre Münder, als ein paar Stunden nach der Bombe der schwarze Regen zu fallen begann. Hinterher stellte sich heraus, dass jeder aus unserer Gruppe wieder etwas anderes gesehen hatte. Ein Besuch reicht also eigentlich nicht.

Nach ein paar Tagen Hiroshima haben wir uns von Maarten verabschiedet und sind jetzt zu viert mit dem Boot unterwegs durch die „Seto-Inlandsee“, sozusagen das IJsselmeer, nur gesäumt und gefüllt mit lauter kleinen und großen Inselchen, und von der Fläche her so groß wie die halben Niederlande. Mit den Inselchen also noch viel größer. Nach Mitarai, Ohmishima und Onomichi sind wir in Nio angekommen. Wir schauen uns Tempel und Schreine an, besuchen Museen, futtern, was das Zeug hält, und es könnte sein, dass wir auch mal ein Bierchen trinken. Die Regenzeit ist hier gerade vorbei, und dann wird es einen Monat lang richtig heiß und schwül. Juhu!

Ich stelle jetzt noch schnell ein paar Fotos ein und komme vielleicht nächstes Mal auf die Inselchen zurück, denn das Bier ruft!

Essen in einem winzigen, total niedlichen Restaurant

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