Honolulu und Oʻahu

· Cruising, Pacific, 2026

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So, nachdem ich mir den Frust über die Bürokratie von der Seele geschrieben habe, jetzt mal wieder ein „gemütliches“ Update. Wir liegen zwischen einem Treibholzboot und einem 50 Jahre alten Schiffchen mit einer enormen Geschichte, auf das jetzt jemand „aufpasst“ und deshalb mit Freundin und Katze darauf wohnt. So sieht fast der ganze Steg aus, ein schwimmender Trailerpark. Angelockt von den niedrigen Liegegebühren haben sich hier alte (See-)Räuber und junges Volk angesammelt. Sogar eine Frau mit kleinem Kind. Alle sehr freundlich und eigentlich ganz okay, aber eben nicht der normale Marina-„Vibe“. Mit unserem Nachbarn Damian waren wir schon mal mittagessen, und als Nachbar ist er ein prima Kerl.

Wir liegen am äußersten Steg, mit freiem Blick auf die berühmten Wellen von Waikiki Beach. Der fängt „bei uns“ an und zieht sich dann ein paar Kilometer nach Osten. Direkt am Strand stehen so um die 30 Hotelhochhäuser, jedes mit Läden und Restaurants. Voller Amerikaner, die (glauben wir) nur ein paar Tage hier sind und sich nicht weit von ihrem Hotel wegbewegen. Ist ja auch nicht nötig. Vielleicht schaffen sie es gerade noch bis zur ersten „Shopping Mall“, Ala Moana. Ich schätze, so 300+ Geschäfte.

Am ersten Tag hatten wir schon den „Harbor Pub“ entdeckt, eine Kneipe ganz in der Nähe, halb im Keller, mit gutem Essen und Trinken und für die Lage noch gut bezahlbar. Wir haben auch mal in so einem Hotelrestaurant gegessen, aber das war dann doch sehr geleckt und teuer.

Weil Rudolf schon bald wieder abreiste, stand natürlich ein Besuch in Pearl Harbor auf dem Programm. Wir haben eine Auswahl getroffen und zwei Museen besucht: das Schlachtschiff Missouri und das Militärluftfahrtmuseum. Der Ort ist natürlich schon etwas Besonderes, weil man weiß, wie die Japaner hier im Dezember 1941 die ganze Flotte überrascht und enormen Schaden angerichtet haben. Die Arizona ist damals gesunken und liegt eigentlich immer noch da, mit einer Gedenkstätte obendrauf. Das ist enorm beliebt, so beliebt, dass wir schon keine Karten mehr bekommen haben. Im Nachhinein nicht schlimm, die Missouri ist beeindruckender. Eigentlich waren Schlachtschiffe damals schon überholt – zum Glück für die Amerikaner waren die Flugzeugträger beim Angriff gerade auf Übung und konnten schnell zurückschlagen. Das sieht man auch an der Geschichte der Missouri. Die war erst mitten im Krieg fertig und hat eigentlich nicht viel gemacht außer Küsten zu beschießen, aber trotzdem hat jeder schon mal ein Foto von ihr gesehen. Auf dem Deck der Missouri wurde nämlich die Kapitulation Japans gegenüber den Alliierten unterzeichnet. Ein besonderes Fleckchen, an dem wir jetzt also gewesen sind. Admiral Helfrich hat dort für die Niederlande unterschrieben, was dann wieder interessant ist, denn Helfrich ist ein bekannter Name aus Harlingen.

Denkmal für die Gefallenen der USS Oklahoma
Die Technik ist 1984 stehen geblieben

Danach waren wir im Luftfahrtmuseum, wo drinnen eine schöne Sammlung aus dem Zweiten Weltkrieg stand. Die neueren Flugzeuge rotteten draußen allerdings vor sich hin. Das Luftfahrtmuseum in New York oder das Militärmuseum in Soesterberg sind viel schöner und besser gepflegt. Auch beim Schlachtschiff geht noch mehr: Auf der USS New Jersey, die man ebenfalls als Museum besichtigen kann, gibt es viel mehr zu sehen. Aber gut, es war trotzdem ein beeindruckender Tag. Abgeschlossen haben wir ihn mit einem Abstecher in die Altstadt, wo wir zufällig in einer überraschend netten Kneipe gelandet sind, der EP bar, in der feine Musik aus den 60ern und 70ern von Langspielplatten lief und wir japanisch angehauchte Drinks bekamen. Danach in einem prima Restaurant gegessen, natürlich alles auf amerikanische Art, also riesige Portionen, und nach einer Stunde stehst du wieder draußen! Das war der letzte Abend mit Rudolf, also hat er uns eingeladen!

Ein überraschend leckeres, erfrischendes Matcha-Bier in der EP bar

Bevor Maarten kam, hatten Arnold und ich ein paar Tage für uns. Schön ruhig mal und die Gelegenheit, von allem ein bisschen runterzukommen. Die nötigen Arbeiten am Boot erledigt, wobei wir beschlossen haben, den Hoyt-Fockbaum bis Japan liegen zu lassen. Die Kolbenstange ist beschädigt, eine schnelle Reparatur ist also nicht drin. Die neue ist bestellt und kommt hoffentlich rechtzeitig, damit die Damen sie im Juli mit der KLM mitbringen können. Wir backen schon wieder Brot, denn das Brot hier taugt nicht viel. Meistens essen wir mittags aber sowieso auswärts, genau wie abends. Sie haben hier leckeres Bier, das Longboard kommt bei Arnold gut an, und es gibt auch prima IPAs für Kees. Zusammen mit der Serviceorientierung in der Gastronomie macht das auswärts essen sehr „easy“. Gestern war unser letzter Tag „zu zweit“, und wir hatten ein Auto. Viel von der Insel gesehen, unter anderem die berühmte „North Shore“. Dort ist es zwar entspannter als in Honolulu, aber trotzdem extrem kommerziell, mit lauter Imbissbuden und Foodtrucks, so vielen, dass man sich fragt, wo all die Leute herkommen. Dafür schöne, sehr steile Strände. Wenn du gern Wellenreiten gehst, ist das ein richtig geiler Spot. Wir wollten etwas unvorbereitet eine Wanderung machen, die aber so matschig war, dass wir auf halber Strecke lieber umgekehrt sind.

Das wurde also nichts!

Über einen großen Walmart, wo wir Softdrinks, Chips, Nudeln und andere Grundbedürfnisse gebunkert haben, zu einem witzigen Restaurant in der Nähe von Pearl Harbor, dem 604. Kein Tourist weit und breit, nur (glauben wir) Militärs und ihre Familien. Herrlicher „Ahi“, so heißt Thunfisch auf Hawaiianisch, für mich und ein Hamburger für Arnold. Der kann sich hier austoben, der Hamburger ist hier natürlich Grundnahrungsmittel.

Heute Morgen kam dann endlich, mit 8 Stunden Verspätung, Maarten an. Unser neues Crewmitglied war 36 Stunden unterwegs. Damit er schnell in den Rhythmus kommt – es sind schließlich 12 Stunden Zeitunterschied –, haben wir ihn den ganzen Tag wach gehalten. Angefangen haben wir mit einem Kaffee bei einer kleinen Firma im Norden, die ihren Kaffee selbst anbaut und röstet. Sehr lecker. Leider war die Straße gesperrt, also umgedreht und die Südseite erkundet. Wieder eine Wanderung, bei der wir auf halbem Weg aufgehört haben, weil es seeehr steil wurde. Nur sehr verbissene oder junge, schlanke Typen stapften an uns vorbei. Aber wir hatten auch so schon eine tolle Aussicht. Maarten wurde von den schönen Stränden und vor allem den Bergen, die auf dieser Seite sehr beeindruckend sind, dann doch „wach“. Über den wunderschönen botanischen Garten von Hoʻomaluhia zurück nach Honolulu, um die zweite Einkaufsrunde zu drehen. Jetzt ist alles außer „Frischem“ und „Spülmittel“ an Bord, wir können (fast) wieder los.

Dutzende Baum- und Pflanzenarten in Hoʻomaluhia
Die vulkanischen Berge sind stark von der Erosion zerfurcht, toller Anblick!

Wir verstehen übrigens nicht, wie das Hawaiianische mit nur zwölf Buchstaben (5 Vokale und 7 Konsonanten) auskommt. Alle Wöltel klinken kleich.

So, der dritte Beitrag in zwei Tagen ist fertig. Noch ein paar Tage, dann geht’s wieder los. Noch schnell bei Joey und der CBP abmelden, schauen, ob der Hafenmeister unser Geld haben will, 600 Liter Diesel bunkern und dann auf nach Osaka (oder vielleicht Hiroshima).

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