Ala Wai Harbor und die DOBOR
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Nach unserer Ankunft war das Einklarieren ein Kinderspiel. Wenn du mit dem Boot nach Hawaii kommst, musst du drei Dinge erledigen: dich bei der Customs & Border Patrol (CBP) melden, eine Agrarerklärung besorgen und dich natürlich beim Hafenmeister anmelden. Anders als erwartet war das Verfahren bei der CBP überhaupt kein Problem – das letzte dafür umso mehr.
Am einfachsten klarierst du online ein, mit der App „CBP Roam“ auf dem Handy. Dann können sie nämlich per Videoanruf kurz mit dir sprechen. Nach der Anmeldung wurde ich innerhalb einer Viertelstunde gebeten, den Videochat zu öffnen. Etwas seltsam ist, dass du den Officer nicht siehst. Er oder sie sieht dich aber sehr wohl. Na gut: Köpfe in die Kamera halten zum Abgleich mit den Passfotos und einmal durchs Boot. Joey war professionell, superfreundlich und sehr aufmerksam. Er ist das ganze Formular CBP 1300 mit mir durchgegangen, weil das Formular ganz offensichtlich nicht für Segelyachten, sondern für Frachtschiffe gedacht ist. Innerhalb einer Stunde war alles erledigt, und zwar auf eine richtig angenehme Art. Ich bekam seine Durchwahl und kann jederzeit anrufen, wenn etwas ist. Fantastisch gelöst.
Aber es musste noch eine Kollegin von ihm kommen, die sich um die landwirtschaftliche Seite kümmert. Nach allem, was ich online gelesen hatte, stellte ich mir vor, dass sie das ganze Boot inspizieren und den gesamten Müll, den wir brav gesammelt hatten, gegen 200 $ mitnehmen würde. Aber wann kommt sie denn nun? Erst am dritten Tag meldete sie sich: Wir wären ihr dritter Kunde. Wir wollten an dem Tag aber unbedingt nach Pearl Harbor, also nochmal angerufen – und da stand sie buchstäblich 20 Meter vom Boot entfernt. Nein, an Bord musste sie nicht. Das konnte sie auch so auf dem Steg ausfüllen. Flugs wurde eingetragen, dass keine Inspektion durchgeführt worden war und trotzdem alles in Ordnung sei. Den Müll sollten wir besser woanders entsorgen, denn auf Oahu ging das nur kommerziell und war ihrer Meinung nach viel zu teuer. Danach bekam ich alle möglichen Tipps, welche chinesischen Restaurants gut sind, wo ich zum Friseur gehen kann (offenbar fand sie das nötig, und da hatte sie auch recht!) und noch jede Menge weitere lokale Tipps. Ein seltsames Gespräch also, aber auch wieder sehr freundlich.

Beim Hafenmeister lief das ganz anders. Ich traf auf eine Dame, die sichtlich Gefallen an ihrem Beamtendasein fand. Die DOBOR, für die sie arbeitet, ist schließlich eine staatliche Behörde. Stell dir die Matrjoschka hinter dem Schalter der russischen staatlichen Telefongesellschaft im Jahr 1970 vor, dann kommst du ungefähr hin. Alles war ein Seufzer und kompliziert. Ist es ja auch, denn wir kommen nicht aus den USA, nein. Und ja, die Bootspapiere sind also gemischt niederländisch/englisch. Seufz. Und auf der Versicherung stand nicht, wann sie gültig war. Doch, gnädige Frau, erster Satz, dritter Absatz. Und ich musste ein Gutachten (Survey) machen lassen und einen „Buoy Run“ fahren, also bis zur ersten Ansteuerungstonne und wieder zurück in die Marina, im Beisein (vom Ufer aus, nehme ich an?) von jemandem der DOBOR, damit sie sehen konnten, dass der Motor läuft und wir das Boot fahren können. Gnädige Frau, ich habe hier eine Ausklarierungsbescheinigung aus Panama, 5000 Meilen in einem Monat – sollte das nicht reichen? Unerbittlich. Dabei meinte ich doch irgendwo gelesen zu haben, dass es anders sei. Abgespeist mit einer Liste von Gutachtern, weil ihrer erst am 10. Zeit hatte, und mit einer abgelehnten Versicherungsbestätigung, weil das Fahrtgebiet nicht draufstand, stand ich nach einer Dreiviertelstunde wieder draußen. Dort traf ich eine Dame aus Kalifornien, die ein paar Tage vorher eingelaufen war und genau dasselbe erlebt hatte. Sie war jetzt zum dritten Mal abgewiesen worden und hoffte, die Sache diese Woche endlich abschließen zu können. Laut ihr zahlst du, solange deine Papiere nicht genehmigt sind, 50 % Strafaufschlag auf das Liegegeld. Wie viel das dann genau war, konnten sie nicht sagen, denn erst musste das Boot vermessen werden. Zum Verrücktwerden. Aber gut, bei normalerweise 20 $ Liegegeld pro Tag fürs Boot hielt sich das in Grenzen. Aha, wir reden also von etwa 10 $ pro Tag. Dann eben „illegal“. Dazu kommen noch 10 $ pro Person und Tag fürs Schlafen an Bord.
Bis Freitagnachmittag hatte ich inzwischen eine neue Versicherungsbestätigung organisiert und von Claude AI recherchieren lassen, wie es denn nun wirklich ist. Tja: Wenn du weniger als 30 Tage bleibst, kannst du sehr wohl eine vorläufige Genehmigung bekommen, und dann brauchst du weder Survey noch Buoy Run. Aber das Hafenbüro ist am Wochenende natürlich geschlossen … Also am Montag mit mulmigem Gefühl einen neuen Versuch gestartet. Wieder eine andere Dame, die steif und fest behauptete, dass es wirklich sein müsse. Nachdem ich sie die Kopien aus ihrer eigenen Hafenordnung hatte lesen lassen, in der stand, dass es eben nicht nötig ist, verschwand sie im Büro. 20 Minuten später kam sie heraus, und ja, tatsächlich, ich konnte eine Temporary Mooring Permit bekommen – aber erst, wenn sie gemäß §13-231-8 eine Inspektion durchgeführt hätten, und die kostet dann 40 $. Dabei lese ich das so, dass sie berechtigt sind, für eine Temporary Mooring License eine Inspektion durchzuführen, aber nicht verpflichtet – und von mir aus muss das wirklich nicht sein. Und nochmal: Ich habe gerade 5000 Meilen zurückgelegt, so schlecht kann das Boot also nicht sein. Außerdem stand in meinen Versicherungspapieren jetzt zwar, dass ich für die Strecke Panama – Hawaii – Japan versichert war, aber nicht, dass das auch für Ala Wai Harbor galt. Auf meinen Einwand, dass ich auf Reisen doch nicht ein Jahr im Voraus mit der Versicherung abspreche, welche Marinas ich anlaufen werde, hieß es: Ja, sorry, aber das sind die Regeln. Ich stand da und kochte vor Wut. Ja, sie fand die Regeln auch streng, aber sie könne nichts dafür. Und dann ließ sie die Katze aus dem Sack: Wenn ich am kommenden Wochenende sowieso auslaufe, solle ich bis dahin eben illegal bleiben, das sei am einfachsten. Also echt jetzt.
Ich habe das inzwischen nochmal recherchiert: Wenn sie zugeben, dass du die Erlaubnis zum Liegen hast (der Platz also in Ordnung ist), aber noch keine Inspektion gemacht wurde, dann ist das ihr Problem. Aber wenn du weniger als einen Monat bleibst und deshalb tageweise zahlen willst, kommt ein Aufschlag von 30 % dazu. Dann kann ich genauso gut die 50 % zahlen.
Kurz gesagt: Es wird Leute geben, die damit kein Problem haben, aber ich finde das wirklich unter aller Kanone. Offenbar kommen (noch) kaum oder gar keine Gastlieger aus Übersee hierher?
Allen Seglern, die nach uns kommen, würde ich also raten, sich entweder sehr flexibel zu zeigen oder einen anderen Hafen zu wählen.

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