Tag 23 Panama nach Hawaii
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Heute mal ein Gastautor …
Wer an den Stillen Ozean oder den Pazifik denkt, denkt an sanft plätschernde Wellchen auf einer fast einschläfernden Dünung, an herrliche Temperaturen und traumhafte Sonnenuntergänge. Das gibt es durchaus, aber für uns ist das, von ein, zwei Momenten abgesehen, schon eine Woche her. Nach diesem plötzlichen Winddreher samt Regen hat der Wind dauerhaft auf rund 20 Knoten zugelegt, also etwa Windstärke 5. Er kommt aus Nordost und damit perfekt, denn wir fahren nach Westen, also mit raumem Wind. Die Sonne haben wir auch kaum noch gesehen, und hin und wieder gibt es ein bisschen Regen. Alles in allem kein Piña-Colada-Wetter. Sogar die Temperatur ist von über 30 auf Mitte 20 Grad gefallen. Das wiederum empfindet an Bord niemand als unangenehm.

Die Ursache für diese Wetterlage ist, kurz gesagt, das Zusammentreffen des warmen Stroms aus Richtung Panama mit der relativ kalten Strömung, die von Norden her an der amerikanischen Westküste entlangläuft. Gemeinsam ziehen sie nach Westen Richtung Hawaii. Wenn zwei Strömungen mit so unterschiedlichen Temperaturen zusammenkommen, gibt das eben etwas ungemütlicheres Wetter. Viele Wolken, mehr Regen und mehr Wind. Und mehr Wind konnten wir gut gebrauchen. Zum Glück läuft dieses Schiff richtig gut. Mit durchschnittlich 9 bis 10 Knoten rasen wir auf unser Ziel zu. Wir dachten sogar, wir hätten einen neuen Etmal-Rekord aufgestellt: 224,4 Meilen. Als wir den alten Rekord zwischen Aruba und Cartagena aber noch mal nachgerechnet haben, stimmte das doch nicht ganz. Der lag am Ende bei 240 Meilen. Wir geben natürlich unser Bestes, um ihn zu knacken.
Ansonsten geht an Bord alles seinen gewohnten Gang. Wir gehen unsere Wachen, kochen und spülen abwechselnd. Kees backt jeden Tag ein noch leckereres Brot, und der Obstvorrat schrumpft langsam, aber kontrolliert. Reis kochen kann ich allerdings immer noch nicht.

Außerdem sitzen immer noch zwei Tölpel auf der Reling. Ab und zu drehen sie eine Inspektionsrunde, um dann mit viel Geflatter und Gezappel wieder auf der Reling zu landen. Passend zur anstehenden WM haben wir sie nach dem niederländischen Trainergespann Ronald und Erwin Koeman benannt.

Auf diesem Kurs und bei diesem Windeinfallswinkel vermissen wir den Hoyt-Fockbaum, glaube ich, nicht allzu sehr. Eigentlich sollte ein neuer hydraulischer Niederholer bestellt werden, aber das klappt nicht, weil in dieser Größe keiner auf Lager ist. Kees will jetzt versuchen, in Honolulu ein neues Teil drehen zu lassen. Hoffentlich klappt das, denn viel Zeit bleibt uns auf Hawaii nicht, wenn wir noch vor Beginn der Taifunsaison in Japan ankommen wollen.
Mit anderen Worten: Trotz ein paar kleiner Unannehmlichkeiten und des kaputten Fockbaums sind wir unterwegs wie die Feuerwehr! Wir rechnen damit, am Dienstag auf O’ahu anzukommen. Jetzt noch 950 Meilen.
Grüße, Rudolf Onnes
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