Durch den Panamakanal

· Cruising, 2026, Panama

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Es ist jetzt unser zweiter Tag auf See, und langsam kehrt wieder Ruhe ein. Hier und da war es ziemlich hektisch, wie du gleich lesen wirst.

Aber fangen wir vorne an, wie es sich gehört. Marion und ich haben in Colón im „Rey“, einem prima Supermarkt, drei Einkaufswagen voll Essen geholt. Am nächsten Tag kam Rudolf an, und mit ihm habe ich das Ganze gleich noch mal gemacht, sodass die üblichen Stauräume ordentlich voll mit Essen waren. Am Donnerstag kam Arnold, und ich habe ihn vom Flughafen abgeholt. Rudolf war am Tag davor mit einem Mietwagen gekommen, und den haben wir gleich wieder zurückgebracht. Eine Stunde später bekam er die Nachricht, dass im Mietwagen der Fahrzeugschein seines niederländischen Autos gefunden worden war. Bemerkenswert, denn den vermisste er schon seit Monaten.

Am Freitag sind Marion, Arnold und Rudolf auf „Tour“ gegangen und haben sich schon mal die Schleuse angesehen.

Die Sakura Gas wird von einem Schlepper in die neue Schleuse gezogen.

Beeindruckend, aber nichts, was wir Niederländer nicht schon mal gesehen oder selbst gemacht hätten.

Im vergangenen Jahr sind wir nur rund 150 Stunden unter Motor gefahren, aber trotzdem war es Zeit für einen Motorservice (in der Hitze kein Vergnügen), damit alle Schmierstoffe wieder 100 % in Ordnung sind. Auf dem Pazifik werden wir eine Menge Motorstunden sammeln, also keine verschwendete Mühe. Damit war mein Tag dann auch wieder ausgefüllt.

Am nächsten Tag, Samstag, sollte es durch den Kanal losgehen. Aber nachts fing es an, wie aus Kübeln zu schütten; so einen heftigen Regen hatte ich noch nie erlebt. Unser Bimini auch nicht. Das vordere Rohr bog sich unter dem vielen Wasser auf dem Stoff um etwa 40 cm durch, und das ganze Wasser bahnte sich seinen Weg nach drinnen. Der ganze Boden stand unter Wasser, die Fächer am Niedergang, die Matratzen in der Achterkajüte durch das kleine Fensterchen – alles klatschnass. Zum Glück wenigstens schönes sauberes Regenwasser!

Morgens sahen wir uns etwas verdattert an. An allen möglichen Stellen stand noch Wasser. Mit den Männern haben wir das Rohr mal abgebaut und begutachtet. Können wir das nicht einfach zurückbiegen? Mit an Land genommen, und mit ein paar Tischen und Arnolds Knie war es eigentlich im Handumdrehen erledigt, wieder so etwas wie eine Form hineinzubiegen. Ganz 100 % wird es nicht mehr, und der Persenningmacher aus Grou hat die Konstruktion eindeutig unterschätzt; für die Niederlande mag das OK sein, aber für hier ist es viel zu flach.

Gegen 10 Uhr kam unser angeheuerter „Line Handler“ mit den vier langen Leinen vorbei, die wir ebenfalls gemietet hatten. Man muss nämlich mindestens vier Leute an Bord haben, die mit Leinen umgehen können, plus den Skipper plus einen „Advisor“. Viele haben uns geraten, in Shelter Bay einfach mal herumzufragen, aber wir sind am Ende der Saison, und alle, die in Frage kamen (= waren auf dem Boot und keine komischen Typen), gingen an diesem Wochenende selbst durch. Im Nachhinein war es super, dass wir Mario dabeihatten; er macht diesen Job seit vierzehn Jahren und weiß fast mehr als die Advisors. In der hierarchischen Gesellschaft Panamas merkte man, dass er die Advisors das nicht spüren ließ, aber es war sehr angenehm. Außerdem unterstützt man so die Gesellschaft hier ein bisschen; der Kanal ist die Quelle eines großen Teils des Wohlstands hier. Gegen zwei Uhr nachmittags liefen wir aus der Marina aus und gingen auf dem Ankerplatz (Mario wusste genau, wo) vor Anker. Anmelden beim Hafendienst Cristobal Signal Station. Der Advisor kommt um 1600 Uhr. OK.

Moi kommt an Bord

Gegen 1615 war der Advisor, Moi (von Moises), dann da. Ein netter, offener Mann mittleren Alters, der seit 30 Jahren für den Kanal arbeitet. Er war inzwischen Chef der Ausbildung für die Schlepper usw. (wenn ich mir das richtig gemerkt habe), also galt allen Schleppern sein besonderes Interesse, ob sie sich auch an die Regeln hielten. Da sein jetziger Job ein Bürojob ist, verdient er sich am Wochenende als Advisor etwas dazu. Am Wochenende gibt es deshalb auch mehr Kapazität, Yachten mitzunehmen, weil mehr Advisors verfügbar sind.

Kaum war Moi an Bord, fing es wieder heftig an zu regnen. Er zog eine sehr dünne Regenjacke an, aber Mario hatte nichts dabei. Kein Problem, wir hatten in seiner Größe eine prima Decathlon-Regenjacke. Er hat sich riesig darüber gefreut. Schnell noch das Radar eingeschaltet, denn die Sicht lag unter 30 m. Mit Hilfe der Elektronik waren wir schnell in der Nähe des Schiffs, hinter dem wir in die Schleuse fahren sollten. Wir durften ein Stück vorausfahren, weil wir nicht so schnell sind wie die großen Schiffe. Da an dem Tag vier Yachten durchgingen, wurden wir paarweise zusammengebunden. Wir bekamen ein türkisches Schiff, die Sal, längsseits. Das ist sehr angenehm, denn dann muss man nur halb so viele Leinen annehmen. Das war ohnehin weniger kompliziert als gedacht: Man legt mit dem Päckchen erst an Backbord an und macht eine Weile fest, bis man hinein darf, dann sind diese beiden Leinen gleich schon an Land. Dann fährt man etwas nach Steuerbord, und von Land werfen sie zwei „Affenfäuste“ (einen Ball aus Tauwerk) an einer langen Leine übers Boot. Das machen sie aufs Vorschiff, damit sie die Solarpaneele nicht treffen. Dann knoten die beiden Line Handler flugs die dünne Leine an die dicke Festmacherleine, und die wird an Land gezogen. Dann fährt man zum zugewiesenen Platz in der Schleuse, stoppt auf, und die Leinen werden dichtgeholt. Mehr ist es nicht. Verglichen mit einer niederländischen Schleuse, wo man alles selbst machen muss, ist es eigentlich deutlich einfacher. Während des Wartens gibt es von Marion einen leckeren späten Lunch / Snack: Nudelsalat mit Thunfisch für alle. Man hatte uns erzählt, dass man die Line Handler und den Advisor nicht mit einem Erdnussbutterbrot abspeisen kann, aber sie scheinen beeindruckt.

Was anders ist als in den Niederlanden: Nachdem die Kammer vollgelaufen ist, fahren wir mit den Leinen an Land weiter in die nächste Kammer, und dann noch einmal. Auf der Atlantikseite geht es dreimal etwa 8–9 Meter nach oben, auf der Pazifikseite zweimal 8–9 Meter und einmal die Hälfte (wegen der Tide) nach unten.

Auf dem Foto oben sieht man schön, wie wir schon in der zweiten Kammer liegen und die erste Kammer wieder leerläuft, um das Seeschiff abzuholen, das vor der Schleuse an der Mauer liegt. Die alten Schleusen funktionieren, was die Wasserbewegung angeht, komplett mit Schwerkraft, Pumpen kommen nicht zum Einsatz. Früher fuhren sogar die Lokomotiven, die die Seeschiffe mitziehen, mit Strom aus Wasserkraft. Während wir also von Männern mitgenommen werden (eigentlich vom Motor der Merrimac), sind das bei den großen Schiffen eben Lokomotiven. Nett ausgedacht, aber in den neuen Schleusen haben sie dann doch wieder ganz normal Schlepper wie im Rest der Welt.

Nach den drei Schleusen – es ist inzwischen neun Uhr abends – müssen wir noch eine knappe Meile zu einer Boje motoren. Dort müssen wir festmachen, denn der See ist hier nicht nur 20–30 Meter tief, sondern steht auch noch voller alter Bäume und Gerümpel. Da halten unsere kleinen Anker schlecht. Die Seeschiffe ankern sehr wohl. Warum sie nicht einfach ein Stück Steg hinlegen, ist uns ein Rätsel, aber Mario bringt wieder schnell alles in Ordnung, und nach 10 Minuten liegen wir fest. Moi wird wieder abgeholt, sein Tag ist geschafft. Wir essen ein leckeres Rendang, das Marion auch schon vorbereitet hat. In der drückenden Hitze unter Deck keine Kleinigkeit. Ein Bierchen und ein Gläschen Rum sind auch drin, finden wir.

Am nächsten Morgen gegen 08:30 wird von einem Boot der nächste Advisor abgeliefert. Diesmal Luiz. Auch erfahren, aber nicht so erfahren wie Moi, glauben wir. Prima Kerl. Zuerst müssen wir jetzt über den See und danach durch den „Calebra Cut“, den schwierigsten Abschnitt, wo der Berg durchschlagen werden musste.

Große Schiffe im Kanal
Die "Centennial Bridge"

Diesmal lässt er uns als 1 x 1 und 1 x 3 durch die Schleuse gehen. Wir sind in der Mitte. Mit zwei zusätzlichen Booten ist das Steuern wegen der Trägheit deutlich schwieriger. Aber alles geht gut, und ich bekomme die ganze Zeit Komplimente vom Advisor. Ich sage noch: „Das sagst du bestimmt zu allen Kunden“, aber er bleibt dabei, dass das nicht so ist. Doch während Moi strategisch die Motoren des anderen Schiffs mitarbeiten ließ, muss jetzt die Merrimac die ganze Arbeit machen. Die anderen beiden haben ihr Ruder festgesetzt und den Motor in Neutral. Jetzt fahren wir vorne in die Kammer, weil dort weniger Strömung ist. Besonders in der letzten Kammer, wo sich Salz- wieder mit Süßwasser mischt, müssen wir aufpassen, aber bevor das fiese Wasser bei uns ankommt, liegen wir längst wieder fest.

Päckchen aus drei Schiffen

Gegen 1600 laufen wir aus der letzten Schleuse aus, unter der letzten Brücke durch, und der Advisor geht schon wieder von Bord. Der Kanal selbst war also überhaupt kein Problem. Ich verstehe aber schon, warum so ein Tamtam darum gemacht wird: Unser türkischer Nachbar war noch nie auch nur in der Nähe einer Schleuse gewesen. Dann ist das natürlich eine ganz andere Nummer! Lustig war es schon: Bei uns waren alle entspannt, genossen die Situation und schauten sich in Ruhe um. Leinen annehmen, belegen und loswerfen, und das nur zu zweit (Rudolf und Mario). Auf den anderen Booten ging es deutlich hektischer zu, auch weil die Eigner alles mit mehreren Kameras festhalten wollten.

Die Tür zum Pazifik öffnet sich

Aber im Hintergrund lief noch etwas anderes. Der Agent hatte im März seinen Schwiegersohn nach Shelter Bay geschickt, und dort wurden ein paar Dinge besprochen. Dummerweise habe ich die nicht aufgeschrieben. Ich dachte, er würde dafür sorgen, dass wir direkt in eine Marina weiterfahren konnten und dass ein „Cruising Permit“ organisiert war. Dieses Permit ist nichts anderes als eine Steuer auf jedes Sportboot, das Panama anläuft. Prima. Aber im Laufe der Woche stellte sich schon heraus, dass ich die Marina selbst organisieren musste. Und die waren nicht gerade günstig ($360 für drei Nächte). Und wir durften auch nicht einfach mal kurz mit dem Boot rein, um Mario und die Leinen an Land zu bringen. Also wieder Stress: Dingi zu Wasser lassen, Außenborder dran, Mario + Leinen rein, in der Marina absetzen, zurück, inzwischen in stockdunkler Nacht einen Platz aussuchen. Diskussion, ob wir während des Absetzens in der Marina ankern oder nicht. Kurz gesagt: lauter Theater. Am nächsten Morgen nach dem Ankern die etwas freundlichere Marina angerufen, ja klar, kommt nur. 400+ Liter Diesel getankt und 1 Nacht geblieben. Schnell dem Agenten gemailt: Wir wollen morgen los. Ja, das geht nur um 10:30 und kostet $125,70. Und eine Kopie deines Cruising Permits mitbringen. Ja, das wolltest du doch organisieren, mein Freund! Nein, ich weiß von nichts, ich kann doch nicht raten, ob Leute das noch nicht haben? Wie bitte, du hast uns doch beim Einklarieren geholfen. Dann geh halt ohne mich morgen früh zum Port Captain, ohne mich hast du eine Chance, dass es vielleicht schnell geht. Seufz…

Am Ende haben wir in einer echten Touristenfalle super gegessen, wo sie aber fantastisch leckere Steaks zubereiten konnten, und auch der Irish Coffee war lecker. Am nächsten Morgen fuhr Marion (die ja hierblieb und deshalb nicht mit ausklarieren musste) früh mit dem Taxi zur größten Mall hier, Albrook, um die letzten Sachen wie Obst und Gemüse zu besorgen. Wir auf zum Port Captain. Rudolf und Arnold kamen mit, denn wenn es klappen sollte, mussten wir gleich zur Immigration, und die wollen alle sehen, um sie zu fotografieren. Zum Glück war beim Port Captain sehr wenig los, und ich traf auf einen fünfundzwanzigjährigen jungen Mann mit hervorragendem Englisch. Er hat es sofort kapiert und sich richtig ins Zeug gelegt. Sein Teil war in 10 Minuten erledigt, und dann hat er die drei (!) Damen einer anderen Abteilung unter Druck gesetzt, das Cruising Permit auszustellen. Das dauert normalerweise ein paar Tage, aber nach etlichen Telefonaten mit/von der Finanzabteilung stand ich nach 40 Minuten mit allen Papieren wieder draußen. Juhu! Schnell zur Immigration, und wir durften los.

Dann kam noch ein Freund von Rudolf kurz vorbei, um sich das Boot anzusehen, danach haben wir noch schnell zu Mittag gegessen, Marion auf dem Steg abgesetzt, und los ging’s! Marion bleibt noch bis Samstag in Panama City, um die Stadt mal ganz für sich allein zu genießen und schön gar nichts zu tun.

// Tag 0, 14:06 / 21:06 Z, Log 7573, Motor 628.

Wir motoren jetzt schon seit rund 28 Stunden durch die Flauten. Ab und zu kann die Fock dazu. Der Motor brummt gemütlich mit 1584 Umdrehungen, und das gibt eine Fahrt von 6,3 Knoten. Bis einschließlich Wochenende gibt es wenig Wind. Dann nimmt er hoffentlich zu, und wir können den größten Teil der Strecke segeln. Ich muss sagen, es ist gar nicht so schlimm, wenn man sich darauf eingestellt hat (und wir wussten das schon seit Wochen). Der neue Motor ist super leise, und man kann sich in normaler Lautstärke unterhalten. Gestern wieder Rendang und heute Abend Hühnercurry von Marion. Morgen fangen wir dann mal mit dem großen Gemüseberg an.

// Tag 1, 16:39 / 23:39 Z, Log 7707, Motor 654.

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