Mit Jesse und Sander nach Cartagena

· Cruising, 2026, Aruba

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Es ist jetzt genau zwölf Uhr Ortszeit, und wir sind seit gestern früh um 06:00 von Aruba unterwegs nach Cartagena in Kolumbien. Aber erst mal ein kleiner Rückblick. Nachdem sie am Ende doch zwei Wochen auf der Werft an Land gestanden hatte, war die Boot endlich fertig – ich beschwere mich nicht, denn ich hatte erst ziemlich kurzfristig gefragt, ob das überhaupt geht, und dann war auch noch Karneval! Trotzdem war es schön, wieder im Wasser zu sein. Direkt zurück an den Ankerplatz, der offiziell Paardenbaai heißt, im Volksmund aber Surfside Beach. Dort gleich wieder in Empfang genommen von Stefan von der Intrepid Bear, der inzwischen auch seinen Sohn zu Besuch hatte. Ein feiner Kerl, der in Deutschland Zahnmedizin studiert und hier ein paar Wochen bei Enritas Schwiegertochter ein Praktikum gemacht hat. Am Ende habe ich jeden Tag mit den beiden gegessen, bis die neue Crew aus den Niederlanden ankam.

Mit dem klapprigen kleinen Mietwagen Jesse und Sander abgeholt. Ich kenne die beiden aus Harlingen. Seltsamerweise kannten sie sich gegenseitig nur vom Namen, aber schon im Flugzeug haben sie festgestellt, dass sie jede Menge gemeinsame Bekannte haben. Sander ist ein echter „Oude Seun“, d. h. in seinem Pass steht Harlingen als Geburtsort. Jesse nicht, aber er wohnt auch schon seit Jahrzehnten in Harlingen – er hat u. a. mal die Hema-Filiale geleitet, und da lernt man automatisch viele Leute kennen. Seine Eltern hatten damals das Haus, in dem Marion und ich jetzt wohnen. Sander kannte ich eigentlich auch nicht so gut, aber das muss ja nicht immer sein. Er führt zusammen mit seinem Bruder eine Schiffsagentur, d. h. sie kümmern sich um Logistik und Papierkram für Schiffe, die in Harlingen festmachen. Vom ersten Moment an ist es gemütlich, und wir reden über Harlingen und seine Bewohner bis hin zur Weltlage. Wenn wir mal kurz die Welt regieren dürften, wäre das alles ruckzuck gelöst.

Fische kümmern sich im Arikok-Nationalpark um unsere Füße

Natürlich habe ich Jesse und Sander mit in den Nationalpark genommen. Danach ging’s zu Zeerovers, dem nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipp auf Aruba, um fangfrischen lokalen Fisch zu essen. Zum Glück waren auch noch viele Einheimische da, für die echte Atmosphäre – nur Amerikaner ist halt nicht so unser Ding. Man merkt schon, dass sie sich etwas mehr über die Insel ausbreiten; vor sechs Jahren blieben sie noch in ihren Hochhaushotels hängen. Anschließend waren wir schnorcheln, was für Sander ein großer Schritt war, weil er sich selbst für keinen besonders guten Schwimmer hält. Das lief richtig gut, nur war das Wasser leider nicht besonders klar, und so war das Unterwasserleben eher enttäuschend. Danach haben wir u. a. noch mal bei Ingolf und Enrita gegrillt und waren wieder im Elements essen. Siehe Fotos!

Brunch im Elements

Weil es nach Panama nur ein paar Tage zu segeln ist, planen wir jetzt erst mal einen Zwischenstopp in Kolumbien. Das läuft hier nicht so wie bei uns zu Hause in Europa, wo du jederzeit einfach beschließen kannst, einen Hafen anzulaufen. Kurz auf https://noonsite.com nachgeschaut: In Cartagena musst du zwingend einen Agenten einschalten. Also erst mal die Marina fragen, ob sie einen Platz haben. Die antworten fast sofort auf die Mail, und eine Stunde später ist der Liegeplatz für fünf Tage klar. Schritt zwei ist der Agent; einen von der Liste aus dem Cruising Guide ausgesucht, der auf der Website der Marina steht. Angemailt, keine Reaktion. Also Sander, der ja selbst Agent ist, per WhatsApp schreiben lassen. Immer noch nichts. Kurz bevor wir beschließen, es beim nächsten zu versuchen, ruft der Agent Sander an. Und siehe da, für 250 USD lässt sich das regeln. Na ja, ist halt ein lokales Geschäftsmodell, aber was soll’s. Selbst darfst du keinen Kontakt zum Hafenmeister aufnehmen, Yachten sind unter seiner Würde. Der Hafen ist ja auch, glauben wir, der größte Kolumbiens, mit einem ordentlichen Containerterminal, aber Rotterdam ist es sicher nicht. Es soll eine schöne große Stadt mit einer großen Altstadt sein. Wir sind gespannt!

Inzwischen segeln wir seit gestern Abend mit dem ersten Reff im Groß und komplett eingerollter Fock, weil Wind und Strömung so kräftig sind, dass wir ohne Anpassung um Mitternacht ankommen würden. Eine ganz neue Erfahrung, sonst heißt es eher Vollgas.

Hm, und gerade bekomme ich eine blöde Nachricht: Der Freund, der von Hawaii nach Japan mitsegeln wollte, hat eben abgesagt. Drei Monate vorher ist das schon ein bisschen arg ungünstig. Also, falls du Lust hast, ab Ende Juni diese große Etappe mitzusegeln?

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