An Land auf Aruba
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So, schon wieder zwei Wochen vorbei. Die Zeit rast! Mal sehen, was sich da so alles klammheimlich getan hat.
Wie versprochen habe ich Brigitte und Abbie zu einem herrlichen Brunch im ‘Elements Restaurant at Bucuti & Tara Beach Resort - Adults Only’ eingeladen, und der war genau wie vor sechs Jahren mit der SY Pitou und der SY Fidelis einfach köstlich. Für Brigitte waren die Portionen etwas zu groß geraten, selbst die Männer haben Brigittes Reste nicht komplett geschafft. Du sitzt dort draußen im Schatten mit Blick auf einen wirklich außergewöhnlich schönen Strand. Amerikanische und (vor allem) europäische Hotelgäste liegen den ganzen Tag unter einer Palapa (so ein mit Palmblättern gedeckter Riesensonnenschirm) und schlürfen Cocktails. Und dann schlurfen sie zum Mittagessen eventuell auch mal rüber ins Restaurant. Der Brunch ist also eine klare Empfehlung, wenn du mal hier bist: Für den „bescheidenen“ Betrag von 80 US$ pro Person gab es sämtliche Gänge und eine halbe Flasche Schampus – in unserem Fall zu dritt also zwei Flaschen, das war dann noch ein zusätzlicher Glücksfall.
Danach sind wir – Brigitte hatte leider etwas Magenprobleme – am Montag in den Arikok-Nationalpark gefahren. Am Dienstag habe ich die Familie verabschiedet, und jetzt bin ich bis zum 25. „allein“. Allein, na ja, eben nicht: Seit 2019 kennen wir hier Ingolf und Enrita. Ein super nettes Paar – sie ist „von hier“ und spricht Niederländisch, Englisch und Papiamento. Er ist Deutscher und spricht Englisch und Deutsch. Zusammen also Englisch – sehr witzig. Er leitet seit gut zwanzig Jahren das örtliche Betonwerk und kennt wirklich jeden, der etwas zu sagen hat. Enrita hat jahrelang als Sozialarbeiterin in den Niederlanden gearbeitet, um Jugendliche von den ABC-Inseln auf die richtige Spur zu bringen und dort zu halten. Inzwischen hat sie ihr Hobby, die Keramik, eigentlich zum Beruf gemacht. Sie ist eine echte Künstlerin geworden und gibt auch viele Workshops. Letztes Mal ist Ingolf übrigens auch von Aruba nach Bonaire mitgesegelt.
Jedenfalls ist hier mit den beiden, Stefan vom Katamaran Intrepid Bear und noch einem anderen deutschen Paar ganz schön was los. Letzteres Paar darf ich nicht namentlich nennen, denn sie wollen unter dem Radar leben. Sogar ihr AIS ist seit Jahren ausgeschaltet. Ich finde das ja etwas seltsam, aber gut, verboten ist es nicht. Gefährlich finde ich es allerdings schon, ohne AIS auf See unterwegs zu sein. Viel segeln sie, glaube ich, nicht mehr, also hält es sich vielleicht in Grenzen. Schade eigentlich, denn sie haben einen spektakulären Carbon-Kat, selbst entworfen und in Südafrika gebaut.
Am Mittwoch bin ich direkt zu Varadero Aruba gefahren, wo mich alle Mitarbeiter (und der Chef) wieder wie das verlorene Schaf empfangen haben. Schön, wieder dort zu sein. Ich selbst konnte keinen Mietwagen finden, aber Judith am Empfang hatte innerhalb von 10 Minuten einen für mich. Allerdings sündhaft teuer für das, was es ist: ein alter, klappriger Hyundai, in den ich kaum reinpasse. 1500 US$ für drei Wochen ist echt absurd, aber gut, ohne Auto kommst du hier nicht weit. Gerade ist touristische Hochsaison, also ist alles ausgebucht, und dann steigen eben die Preise… Mit Rishi, dem Vorarbeiter der Werftleute, stand das Boot in einer knappen halben Stunde an Land. Alles ganz entspannt mit ihrem schönen neuen Roodberg-Trailer. Das ist ein prima System, wenn du keinen großen Portalkran willst. Platzsparend an Land, aber eben viel Handarbeit und deshalb nur da machbar, wo die Arbeitsstunden nicht so teuer sind. Hier machen das also Venezolaner, Kolumbianer und Surinamer.
In der vergangenen Woche wurde das Antifouling erst geschliffen und dann eine neue Schicht aufgetragen. Die Ruder waren im Oktober in Portugal gemacht worden, mussten aber schon wieder komplett neu; Edelstahl mag keine Farbe… Morgen noch schnell „Propspeed“ auf den Propeller, und dann gehe ich wieder ins Wasser. Höchste Zeit, der Schwarzwassertank ist voll, und ich möchte auch mal wieder ordentlich abwaschen und das Bootsinnere durchwischen. Zum Glück habe ich eine luftgekühlte Kühlung, die funktioniert also auch an Land. Die Klimaanlage in der Vorschiffskabine kann ich gerade nicht benutzen, denn ich habe kein Wasser zum Kühlen!
Außerdem bin ich fleißig mit einigen Investitionen beschäftigt, die Aufmerksamkeit brauchen (leider nichts, was ich hier öffentlich teilen kann), und mit neuer Radarsoftware. Die soll in der Open-Source-Welt eine Art allgemeine Zwischenschicht werden zwischen der Software, auf der du Seekarten und demnächst eben auch Radar anschauen kannst, und den verschiedenen Radartypen der diversen Hersteller. Daran arbeite ich schon ewig, aber Ende letzten Jahres kam plötzlich ein Deutscher, um mir zu helfen. Leider hatte er alles von einer KI programmieren lassen, weil er selbst kein Programmierer ist. Da zeigt sich dann: Was die KI sich ausdenkt, ist ganz nett, aber das Ganze war völlig aus dem Ruder gelaufen. Die KI (Claude) behauptet, alles, was sie gebaut hat, sei großartig, aber in der Praxis ist es die Arbeit eines Erstsemesters. Ich habe also alles wieder rausgeworfen und von vorne angefangen. Ich lasse mir jetzt auch von Claude helfen, aber ich halte sie an der ganz kurzen Leine. Dann funktioniert es an sich prima, und du kommst tatsächlich schneller voran.
Freitag und Samstag war es wieder sehr gesellig an Bord der Intrepid Bear, mit bis zu 8 Deutschen plus Enrita und mir. Am Sonntag sind alle zum Karneval gegangen, aber den feiern sie hier mit extreeeeeem lauter Musik, also habe ich den lieber ausgelassen.




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