Bonaire und Aruba

· Bonaire, Cruising, 2026, Aruba

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Hoppla, eigentlich wollte ich jede Woche etwas posten, aber jetzt sehe ich, dass ich eine Woche ausgelassen habe. Das liegt zum Teil daran, dass ich hier in für mich bekannten Gewässern unterwegs bin – nach dem ersten Corona-Lockdown war ich 3 Monate auf Aruba und 3 Monate auf Bonaire –, aber auch daran, dass mit den „Landratten“ an Bord ganz schön was los war.

Zurück zum Anfang: Wir sind also gut auf Bonaire angekommen, ohne irgendetwas von Spannungen mitzubekommen. Keine tief fliegenden Kampfjets oder so. Und das Stationsschiff der niederländischen Marine lag gemütlich am Kai von Bonaire – das machen die bestimmt nicht, wenn es brenzlig wird.

Die Marine fährt weiter

Wir lagen also wieder im Mooringfeld. Das funktioniert so: Du fährst auf eine Doppelboje zu und musst dann durch jede Boje eine eigene Leine fädeln. Das lief nicht ganz rund, auch weil ich von Abbie verstanden hatte, dass er Matrose gewesen sei. Es stellte sich heraus, dass er einer ohne einen einzigen Streifen am Ärmel war; meine Schuld – ich hätte genauer nachfragen sollen. Beim zweiten Versuch gelang es Arnold dann, die erste Leine an Bord zu holen, und danach klappte auch die zweite. Hat etwas gedauert, aber wir lagen fest. Der Preis war vor ein paar Jahren von 10 USD auf 35 USD gestiegen, deshalb war ich überrascht, dass noch so viele Boote da lagen. Bei näherem Hinsehen lag das daran, dass jetzt viel mehr einheimische Boote dort liegen und die Zahl der Mooringbojen reduziert worden ist.

Die Tage danach haben wir es ruhig angehen lassen. Abbie hatte Probleme mit der Schulter, weil er auf See bei einem Schlinger des Bootes gegen eine Wand gefallen war. Er wollte so gern tauchen, aber daraus wurde leider nichts. Er wollte so gern helfen, dass er verkündete, er würde sämtliche Küchenaktivitäten übernehmen. Das ließen Arnold und ich uns nicht zweimal sagen! Später zeigte sich, dass er das teilweise genauso auslegte wie das, was wir zu Hause „Papa kocht“ nennen: Wir gingen essen!

Arnold ist hier auch geschwommen, und das will was heißen, denn er hat sich irgendwann mal eine Angst vor Haien eingefangen. Eine unbegründete Angst, das weiß er selbst, aber du musst sie ja erst mal loswerden. Zum Glück war das Wasser auf Bonaire so klar, dass er sogar mit seinen schlechten Augen sein Gehirn davon überzeugen konnte, dass da nichts war. Das war auch gut so, denn es hatte wieder die üblichen 27 Grad bei Bewölkung und 30 Grad, wenn die Sonne schien (anfangs meistens Letzteres). Danach war es für ihn auch schon wieder Zeit für den Rückflug. Irgendwie scheint kein Segen auf Arnold und Rückflügen von den ABC-Inseln zu liegen. Ich hatte ihm ein Business-Class-Ticket zum vollen Preis für Sonntagabend bei KLM gebucht. Jedoch war wegen des schlechten Wetters in den Niederlanden (Schnee und Kälte) das geplante Flugzeug nicht verfügbar, und er wurde in die Economy herabgestuft. Die Preisdifferenz bekommst du dann zwar zurück, aber er passt einfach nicht in einen Economy-Sitz. Wie bei vielen anderen Firmen ist es heutzutage schwierig, einen Menschen an die Strippe zu bekommen, und über andere Kanäle wie Business-WhatsApp reagiert schlicht niemand außer einem Chatbot, der auch nichts kann. Zum Glück hatte Abbie aus 20 Jahren Arbeit im Ausland noch einen Platinum-Account, und die Dame vom Helpdesk hat ihn flugs auf einen Tag später umgebucht. Da hatten wir gerade auch noch den letzten Mietwagen der Insel ergattert, also war das Hinbringen auch deutlich einfacher.

Flamingos beim Garnelenfressen

Mit Arnold und Abbie konnten wir also noch einen Tag über die Insel touren, und ich habe ihnen die Highlights von Bonaire gezeigt: von Kralendijk aus geradewegs nach Norden, vorbei an den teuren Häusern der zugezogenen Niederländer, vorbei an den bekanntesten Schnorchel- und Tauchspots, vorbei am See im Nationalpark, wo wir Flamingos gesichtet haben, durch das alte einheimische Dorf Rincon, an der Ostküste entlang zurück nach Kralendijk und danach noch eine Schleife über den Süden: Mittagessen in Sorobon, wo die (Wing- und normalen) Surfer direkt vor deiner Nase über die Lagune hin und her flitzen, dann über die Salzebenen und an der Küste entlang wieder nach Norden, vorbei an den Kitesurfern und übers Flughafengelände zurück nach Kralendijk.

Leider war die soziale Szene unter den Seglern fast nicht vorhanden; offenbar kannten sich nur wenige, und man traf sich auch kaum. Außerhalb des Hafens siehst du das ganz leicht daran, wo die Dinghis liegen. Ich habe nur einen einzigen (wieder)getroffen: Wolfgang. Er ist hier hängen geblieben, seit ich ihn 2020 zusammen mit Uli hier kennengelernt habe. Wohnung gekauft, vergessen, das Boot zu verkaufen, als die Preise nach Corona hoch waren, und jetzt sitzt er hier gewissermaßen „fest“. Keine Lust, allein weiterzusegeln, und es ist ja auch sehr angenehm auf diesen Inseln. Aber ich würde auf so einem kleinen Inselchen verrückt werden.

Wolfgang kommt zu Besuch

Nachdem ich ein paar Tage allein mit Abbie an Bord verbracht hatte, kam auch Brigitte, seine Frau, an Bord. Von ihr wusste ich, dass sie mit Segeln nichts am Hut hat. Macht nichts, Hauptsache, man weiß es. Ich hatte den beiden die Achterkajüte zugeteilt, aber die fand Abbie zu zweit dann doch etwas eng, also schlief er eben auf dem Sofa. Nach einer ersten unangenehmen Nacht wegen seiner schmerzenden Schulter hat er sich andersherum hingelegt, und dann ging es prima. Am Tag nach Brigittes Ankunft sind wir zu dritt im Brassboer essen gegangen, dem Restaurant, das der verstorbene Jonnie Boer gegründet hat. Das Essen war großartig, der Service charmant, aber auf Azubi-Niveau (einer sprach vom „Brauen“ von Wein!). Dafür viel Wein zum Essen, also wurde der Rest des Tages schon wieder ruhig angegangen: ein bisschen schwimmen und schnorcheln vom Boot aus. Das ist ja das Schöne an Bonaire, dass du das direkt vom Boot aus machen kannst. Leider gab es deutlich weniger Fische als vor sechs Jahren.

Wein und Speisen im Brassboer

Weil Brigitte Angst hatte, seekrank zu werden, hatten Abbie und ich uns überlegt, frühmorgens Richtung Aruba aufzubrechen. Dort wollte ich etwas länger bleiben, um Wartungsarbeiten zu erledigen; das Antifouling muss ausgebessert werden, und das geht wunderbar auf der Varadero Aruba, wo die Merrimac während der ersten Corona-Zeit stand. Aber es waren 12 bis 13 Stunden Fahrt, und so lang ist die Tageslichtphase nun mal nicht. Also bin ich am Montag um sieben Uhr abends ins Bett gegangen, und um Mitternacht habe ich abgelegt. Abbie habe ich gleich wieder ins Bett geschickt, denn er musste schlafen, um mich später ablösen zu können. Um 5 Uhr waren wir südlich von Curaçao und konnten halsen. Das macht Lärm mit ratternden Winschen, also wurde der Besuch von selbst wach. Brigitte blieb angeleint im Cockpit sitzen, und Abbie übernahm die Wache. Weil dieses Gebiet viel belebter und komplizierter ist als der offene Ozean, blieb ich „ruhend“ im Deckshaus liegen, im Halbschlaf. Ideal, denn so kannst du zwischendurch für ein paar Sekunden mit auf kreuzende Tanker und Kreuzfahrtschiffe schauen.

Gegen ein Uhr mittags waren wir bei herrlichem Wetter an der Südseite von Aruba entlanggesegelt und ohne Seekrankheit angekommen. Es war wieder herrliches Vor-dem-Wind-Segeln mit der Fock auf der Luvseite. Siehe Video. Zügig und sehr freundlich einklariert. Schon bemerkenswert, dass genau wie auf Bonaire der Zoll mit den Daten, die ich elektronisch über Sailclear einreiche, sehr wohl etwas anfangen kann, die Marechaussee aber nicht. Die fragt einfach alle Daten noch mal ab. Zum Glück darfst du sie an einem PC im (klimatisierten) Büro eingeben. Beim Anlegen und Ablegen halfen uns freundlicherweise zwei venezolanische Seeleute, die darauf warteten, dass ihr Schiff mit venezolanischem Obst und Gemüse entladen wurde. Leider keine Fotos davon gemacht; es war sehr interessant zu sehen, wie außerhalb der Sichtweite der Touristen Stapel von wunderbar frischer Ware ins Land kommen.

Am Ankerplatz zwischen Oranjestad und dem Flughafen, der Paardenbaai, lag Stefan auf der Intrepid Bear schlafend in der Hängematte. Ich dachte, ich überrasche ihn, aber er wusste über Uli schon, dass ich komme. Danach Happy Hour an Land, wo Ingolf und Enrita schon auf uns warteten. Auch die dachte ich überraschen zu können, aber auch sie wussten schon von der Ankunft der Merrimac. Ingolf hatte uns sogar schon beim Einklarieren gesichtet, denn sein Betonwerk ist auch dort. Es war wie in alten Zeiten, sehr gesellig, und abgerundet mit einem leckeren Abendessen im Westdeck.

Der nächste Tag wurde der letzte, den Abbie und Brigitte an Bord verbrachten; als Landratten lockte eine kleine Wohnung an Land dann doch ein bisschen zu sehr. Um das Beste daraus zu machen, hatte ich mir überlegt, ihnen das Touristengebiet an der Westseite der Insel zu zeigen: herrliche Sandstrände und niedrige Hotels für die Europäer und wilde Wassersportarten wie Jetski, Parasailing und „High-Rise“-Hotels für die Amerikaner, mit öffentlichen Strandabschnitten drumherum. Nett, das mal wiederzusehen, aber dann doch lieber zurück in die Paardenbaai, wo die Bars zwar auch touristisch, aber nicht so übertrieben sind. In anderthalb Stunden unter Motor hin und unter Fock in 30 Minuten wieder zurück.

Gestern habe ich erst gearbeitet, schön ruhig allein an Bord, dann Stefan abgeholt, und zusammen sind wir zum Quatschen zur Varadero gefahren, haben Benzin fürs Dinghi geholt und uns noch ein anderes Dinghi für Stefan/mich angeschaut (war nichts). Abends dann an Land, wo Stefans wirklich zuckersüßer, fünf Monate alter Hund Dolly sofort Anschluss an einen einheimischen Hund fand. Der gehörte zwei Einheimischen, zu denen wir uns gesetzt und nett geplaudert haben. Als die gingen, kam noch ein Ehepaar von einem anderen deutschen Katamaran dazu, also wurde es wieder gemütlich. Was allerdings auffällt: Die Deutschen sind alle negativ über die Lage in Deutschland, noch viel mehr als die Niederländer über die Niederlande. Und wenn du dann die Beispiele hörst, haben wir es in den Niederlanden gar nicht so schlecht.

Merrimac vor Anker in der Paardenbaai

Morgen hoffentlich (denn Brigitte meldet, dass ihr übel ist) Brunch in einem schönen Restaurant an einem dieser Luxusstrände. Am Dienstag fliegen sie wieder nach Hause. Die nächste Crew ist für Ende des Monats bestellt, und nächste Woche kommt das Boot fürs Antifouling aus dem Wasser. Bis zum nächsten Mal!

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