Wie das Ankommen mit der Segelyacht in Suriname funktioniert (Ausgabe 2025)

· 2025, Suriname, How-To

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Ich hatte schon gehört, dass sich das Einklarierungsverfahren in Suriname letztes Jahr geändert hat, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so digital geworden ist – und dass es dann auch noch funktioniert! Für alle, die nach mir kommen, hier ein paar Tipps zum Wie und Was.

Chronologisch läuft es ungefähr so ab (jeder Schritt wird weiter unten noch genauer erklärt):

  1. Online ein E-Visum beantragen (das geht schon lange im Voraus)
  2. Nach Suriname segeln
  3. Unterwegs oder vor Ort die Online-Formulare für Zoll und Seepolizei ausfüllen.
  4. An einer Mooring bzw. vor Anker beim Harbour Resort Domburg festmachen
  5. Im Pool schwimmen
  6. Einen Termin mit Erik machen, der dir beim weiteren Ablauf hilft
  7. Am nächsten Werktag, oder na ja, das ist Suriname, am Tag danach, mit Taxifahrer Harry zu der Stelle fahren, wo du dich mit allen Pässen, den E-Visa und einer Crewliste melden musst.
  8. Fertig!

Insgesamt musst du also bei drei Behörden (Websites) vorbei, und bei der MAS musst du sogar drei Formulare digital ausfüllen. Da der Zoll erst sieben Tage vorher geht, kannst du das an Bord nur über Starlink erledigen. Falls du kein Starlink hast, geht es auch über das WLAN vom Harbour Resort.

1. E-Visum

Das E-Visum beantragst du online unter https://suriname.vfsevisa.com/

Achtung, es gibt auch andere Anbieter, die im Hintergrund die echte Seite für dich ausfüllen, dir dabei aber zusätzlich “Kohle” abknöpfen. Ein Touristenvisum für eine einmalige Einreise (“single entry”) sollte nicht mehr als 58 € pro Person kosten. Damit darfst du 30 Tage bleiben, verlängerbar um einen weiteren Monat.

2. Segeln

Falls du, aus welchem für dich triftigen Grund auch immer, kein PredictWind-Abo hast: Halte auf die Grenze zwischen Brasilien und Französisch-Guayana zu und warte, bis du zuerst Strom Richtung Süden (1 kn) und dann Strom Richtung Nordwesten (3 kn) bekommst. Das war früher der Tipp, den wir bekommen haben. Jeder vernünftige Segler nutzt gegen Ende seines Törns PredictWind, also mach das am besten gleich. Ab 7 Tagen im Voraus bezieht PredictWind nämlich auch die Strömung in die “Sail Routing”-Option mit ein. Du segelst dann immer noch ungefähr dieselbe Route, weißt aber besser, warum dir wo welcher seltsame Schlenker vorgeschrieben wird. Wenn du von Mindelo aus startest, ist das am Anfang also noch nicht eingerechnet – halte dich in den ersten Tagen also eher etwas südlich.

Bleib so lange wie möglich von der Küste weg, dort sind die meisten Fischer unterwegs. In den Wochen vor Weihnachten hält es sich in Grenzen, dann haben die meisten ihre Fangtage schon voll und liegen im Hafen. Weiter draußen auf See hat jedenfalls jeder Fischer ein Licht an. Sie waren gut zu erkennen und man konnte ihnen gut ausweichen.

Schließlich sind wir mit Kurs 240 auf die Ansteuerungstonne zugelaufen. Da auf dem Fluss ordentlich Strom steht (2+ Knoten), solltest du mit auflaufendem Wasser den Fluss hinauffahren. Achte auch auf deinen Tiefgang und das schmale Fahrwasser. Wir hatten bei +2 m Tide eine geringste Wassertiefe von etwa 4,5 m und 6,7 m in der Rinne. Über UKW meldest du dich bei MAS (ausgesprochen als ein Wort) auf Kanal 16, auf Kanal 12 bekam ich keine Antwort. Bei Hochwasser läuft die Großschifffahrt erst aus und dann ein. Ab 2 Stunden vor Hochwasser musst du also mit auslaufenden Schiffen rechnen. Wir waren gerade durch das schmalste Stück, als uns das erste große Schiff entgegenkam. Es war 148 m lang mit 7 m Tiefgang und muss also durch die Fahrrinne. Der rief uns dann auch kurz an, um zu checken, dass wir das kapiert hatten (natürlich, wir waren ja schon ausgewichen …)

Fahr nicht an der Ostseite der grünen Tonnen, vor allem am Ende des schmalsten Abschnitts. Dort liegt eine ganze kleine Insel, die nicht in der Karte eingezeichnet ist.

Wenn du an der Commewijne ankommst, halte dich nicht zu weit rechts, da stehen lauter Pfähle mit Fischernetzen. Und an der Gabelung selbst noch einmal. Danach fährst du an Paramaribo vorbei; dort kannst du für die beste Aussicht auf die rechte Seite rüberfahren. Dann unter der “Bosje-Brücke” durch (hoch genug, 52 m) und weiter nach Domburg.

3. Unterwegs Formulare ausfüllen

Unterwegs kannst du (falls noch nicht geschehen) die E-Visa beantragen. Und 7 Tage vor der Ankunft kannst du die Formulare für den Zoll auf https://icf.sr/ ausfüllen und gegebenenfalls schon die für die MAS (Maritime Authority Suriname) auf https://mas.sr/notice_of_arrival – das geht aber auch noch bis zwei Tage nach der Ankunft!

Sollte unterwegs nicht alles geklappt haben, kein Grund zur Sorge, das hier ist nicht die USA oder Nordkorea. Dann erledigst du das ganz entspannt bei einem Kaffee oder Bierchen im Restaurant (siehe Schritt 4).

4. Festmachen

Theoretisch kannst du zwischen zwei Liegeplätzen wählen. Auf den ersten Blick wirkt Waterland sehr verlockend, weil es dort Stege gibt, über die du direkt an Land gehst. Allerdings ist das ein Resort, dessen Restaurant nur an 1 oder 2 Tagen pro Woche geöffnet hat (Samstag/Sonntag), und hinter dem Resort ist absolut nichts. Ohne Mietwagen nicht zu empfehlen. Domburg ist meiner Meinung nach die bessere Wahl. Du liegst hier an einer Mooring (15 € pro Tag) oder vor Anker (10 € pro Tag, wenn du die Einrichtungen nutzen willst). Es gibt einen privaten Dinghisteg (mit Schlüssel abgeschlossen), und für die Gebühr darfst du die Toiletten, Duschen und den einfachen Pool nutzen. Für 5 € kannst du auch die Waschmaschine benutzen. Das alles zusammen ist das “Harbour Resort Domburg”, zu dem auch das “Restaurant River Breeze” gehört. Dort kannst du prima einfach essen – Pizza, Pasta, Hamburger, Saté, Tagesgericht usw. – und sehr gut Djogo Parbo Bier mit einem Bitterbal trinken. Das Ganze liegt direkt neben dem Mini-Ortskern von Domburg: ein paar einfache Bars, Restaurants (auch zum Mitnehmen), chinesische Supermärkte mit überraschend großem Sortiment, eine Tankstelle, Geldautomaten und einen Block weiter noch eine Tankstelle mit angeschlossenem Eisenwarenladen, wo du SIM-Karten und E-Top-up kaufen kannst. Erik, Restaurantbesitzer, Reiseleiter und Hafenmeister in einer Person, hat uns bei der Ankunft schon erwartet. Er kann dich überallhin weitervermitteln und hilft dir bei den Formalitäten. Siehe auch https://marinasuriname.com

5. Schwimmen

Als Erstes sind wir nach der Ankunft schnell an Land, haben uns umgezogen und sind eine Runde schwimmen gegangen. Es war himmlisch.

6. Erik

Wenn du ihn noch nicht gesprochen hast, machst du dich jetzt auf die Suche nach Erik, einem Amsterdamer mit dem Herz am rechten Fleck, der schon seit 30 Jahren in Suriname lebt. Gemeinsam bekommt ihr das schon hin. In unserem Fall organisierte er für die Crew einen Ausflug ins Landesinnere und für den Skipper den Stamm-Taxifahrer Harry.

7. Bei der Polizei melden

Harry holt den Kapitän bzw. die Kapitänin ab und begutachtet das Outfit. Man muss den Behörden nämlich mit dem nötigen Respekt begegnen. Ordentliche Schuhe (sprich: keine Flipflops), eine lange Hose und ein frisch gewaschenes Shirt. Unterwegs bekommst du saftige Geschichten über Suriname aufgetischt, wir halten auf einen Kaffee an, auf dem Rückweg auf ein Brötchen, kein Stress. An einem für dich völlig willkürlich wirkenden Punkt biegen wir irgendwo beim Hafen rechts ab, und Harry bringt den Kapitän zur richtigen Tür, an der absolut nichts darauf hinweist, dass du dort hinmusst. Muss man halt wissen. Nach 3 Stunden, inklusive 2 × 45 Minuten Fahrt und 2 Läden (einer für Harry, der ein neues Telefon brauchte, und einer für mich, um zu schauen, was für PVC sie bei https://kuldipsingh.net haben), war ich wieder an Bord. Die gesamte Taxifahrt kostete 35 €. Bevor du zur Polizei gehst, solltest du jetzt aber wirklich endlich deine E-Visa haben. Ich hatte sie auch brav ausgedruckt und eine Crewliste mitgenommen, aber (a) die Visa-Ausdrucke dann doch liegen lassen und (b) die mit W beginnenden Visanummern nicht in die Crewliste übertragen. Also durfte ich im Büro kurz alle Nummern auf der Crewliste nachtragen. Kein Stress, mein Herr, wird schon. Kurz gesagt: Die Leute hier sind einfach noch menschlich, und ein kleiner Fehler heißt nicht gleich raus und von vorne anfangen.

Also zusammengefasst: Es ist heutzutage gar nicht so schlimm, und du musst nicht mehr mit der ganzen Crew im Taxi alle Büros abklappern. Irgendwie auch ein bisschen schade – das war ein ziemlicher Aufwand und du warst von 9 bis 14 Uhr beschäftigt, aber es hatte auch was.

Zum Ausklarieren gehst du wieder zu demselben Herrn von der Polizei am Containerterminal, mit einer neuen Crewliste und den Pässen. Es reicht, wenn der Skipper kommt, und bei mir ging es schon am Freitag, obwohl ich erst am Montag ausgelaufen bin. Die Öffnungszeiten sind etwas unklar, ich schätze 9 bis 17 Uhr, aber an unserem Freitagnachmittag gab es eine nationale Gedenkfeier wegen einer Familientragödie, und da war geschlossen. Zum Glück hatte ich selbst schon am Vormittag ausklariert, das lief also problemlos. Danach bekommst du von Erik ein Ausreisedokument, mit dem du dem Zoll im nächsten Land zeigen kannst, dass du Suriname ordnungsgemäß verlassen hast.

Unten kannst du ein Muster für eine Crewliste herunterladen und nach Belieben anpassen.

Muster Crewliste

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