1800 Meilen geschafft, 150 Meilen noch vor uns
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Es ist schon der 9. und letzte volle Tag auf See. Wir rechnen mit großer Sicherheit damit, morgen im Laufe des Vormittags die Ansteuerungstonne zu erreichen. Danach ist es noch ein ordentliches Stück den Fluss hinauf, aber wir werden locker rechtzeitig für ein paar Djogos mit Bitterballen da sein.
Unterwegs wurden die Temperaturen immer höher, von 24 auf 29 und jetzt 28 Grad. Die Entwicklung der Regenschauer war entsprechend: je wärmer, desto mehr Schauer am Abend. Zum Glück waren sie nicht besonders heftig, und der zusätzliche Wind hielt sich in Grenzen, nur ein paar Knoten.
Die Crew hat eine schöne Überfahrt, die jeder auf seine eigene Art erlebt. Der eine findet es fantastisch und es kann gar nicht lange genug dauern, der andere hat jetzt langsam genug und will endlich ankommen oder findet einfach nicht in den Rhythmus. Das ist eine schöne Lebenserfahrung – Hochseesegeln ist eben nicht für jeden etwas, wie sich mal wieder zeigt.
Abgesehen davon, dass das elektrische Klo mal wieder verstopft war, und einem kleinen Leck, das wir einfach nicht finden, gab es kein größeres technisches Malheur (bis jetzt jedenfalls). Nur der Watt&Sea muss inspiziert werden, denn der macht seit heute Nacht andere Geräusche und weniger Strom. Die Elektronik wurde von Mark ausgiebig beobachtet, und die ersten Bugfixes sollen heute rausgehen. Wie das System auf langen Strecken genutzt wird, ist ihm jetzt sehr klar geworden, und da er für Testing und QA zuständig ist, ist das eine ziemlich gute Sache.
Außerdem haben wir (vor allem ich) wieder ein paar Dinge gelernt, die ich hier einfach mal als Erinnerung für mich selbst aufschreibe:
- Ab 17 kn vor dem Wind im Schmetterling lieber reffen – an der Geschwindigkeit ändert das kaum etwas, und die Segelfläche ist dann besser zwischen Großsegel und Fock ausbalanciert. Dann rollt das Boot weniger und liegt noch ruhiger. Die Fock nach Luv zu bekommen klappt genauso gut.
- Nicht vergessen, den Wasserballast vor der Halse umzupumpen.
- Das neue Reffsystem:
- Großsegel nach Backbord, sonst klemmt sich die Segellatte hinter der Reffleine fest.
- Reffen vor dem Wind klappt prima: Kurs 170 TWA, Baum dichtholen bis über das Deckshaus, Baumniederholer ganz lose, Dirk etwas durchsetzen, langsam das Großfall fieren und die Reffleine dichtholen.
- Ausreffen: anluven bis auf Halbwindkurs und dann den Baum losgeben, sodass er sich bewegt – das zieht die Reffleinen frei.
- Die Strömung vor Suriname ist sehr interessant, mit einem kompletten kreisförmigen Wirbel. Schau dir das schon vor dem Ablegen im Detail an und setz einen Wegpunkt dort, wo er liegt – das PredictWind-Routing berücksichtigt die Strömung erst eine Woche im Voraus.
- Dinghy mit Spanngurten höher anheben und die Sitzbank rausnehmen.
- Zwei 5-Liter-Wasserflaschen reichen für den gesamten Plastikmüll von 12 Tagen mit 5 Personen, vorausgesetzt, alles wird in kleine Stücke geschnitten.
- Nächstes Mal den Lippenbalsam/die Sonnencreme nicht vergessen.
Ich schließe heute mit einem Foto und einem kurzen Video ab. Morgen in Paramaribo – ich fürchte, ich komme nicht zum Schreiben, aber du kannst uns auf dem Tracker verfolgen…

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