Auf dem Weg zur Saudade

· Cruising, 2025, Tenerife

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So, wir haben gerade das Album Miss Perfumada von Cesaria Evoria aufgelegt, denn wir sind fast raus aus den spanischen Gewässern.

Tanneke und Kommer Jan sind am Samstagabend nach einem doch ziemlich langen Flug angekommen. Total schön, die beiden wiederzusehen! Wir haben drei Abende lang richtig herrlich spanisch gegessen, in irgendwelchen x-beliebigen, gut aussehenden Restaurants. Auswahlkriterium: Sitzen da auch genug Spanier beim Essen? Das Essen ist hier viel besser gewürzt als in Portugal, das muss man ihnen lassen. Und wie das mit dem „Mañana“ funktioniert, verstehe ich jetzt auch besser: Sie kommen schon heute, haben dann aber nur die Hälfte dabei. Es hat bis Montag gedauert, bis ich das Beiboot komplett hatte, die Honda-Kupplung ist am Ende doch noch aufgetaucht.

Tanneke hat KJ am Samstag ins Schlepptau genommen und ist mit ihm in den Supermarkt gezogen, wo die beiden fast drei Stunden eingekauft haben. Am Montagmorgen wurde alles geliefert. Das ist der neue Trick, den ich von einem anderen Skipper gelernt habe: Lass die Crew einkaufen, dann kann sie sich auch nie beschweren, dass irgendwas fehlt. Dass die Kaffeekapseln dann vom falschen Typ sind, nehmen wir eben in Kauf ( (Dolce Gusto passt nicht in Nespresso…)

Am Sonntag habe ich außerdem (Jahre zu spät) die Lüftung in der Achterkajüte eingebaut. Ich habe mich jahrelang davor gedrückt, in das Material zu schrauben, und dann noch so ein hässliches Ding. Aber es ist einfach zu warm in der Achterkajüte, die ich auf dieser Reise nutze, wenn Crew an Bord ist. Und außerdem habe ich tatsächlich die Kabola-Dieselheizung wieder zum Laufen gebracht, die Zündung eingestellt und den Flammensensor gereinigt. Dafür hatte ich eine Anleitung von Sven bekommen, dem netten Monteur von TCN, die in den Niederlanden die Wartung machen. Sie wollte trotzdem noch nicht so richtig, also habe ich dann auch noch die Dieseleinspritzdüse entlüftet. Jetzt scheint es geklappt zu haben, und ich verstehe wieder eine ganze Menge mehr von so einer Heizung. Wenn du nicht technisch veranlagt bist, gehst du besser mit einem extrem simplen Boot auf Reisen, sonst wird das nichts.

Einer der Nachteile unseres Liegeplatzes, mit dem Heck an einer Kaimauer, an der täglich jede Menge Kreuzfahrtgäste vorbeiliefen, ist, dass mehrmals am Tag jemand mit einer Frage oder einem Kommentar ankam. Da merkst du, dass unser Boot mit dem Cockpit ganz achtern nicht für so einen Liegeplatz gemacht ist; die Leute schauen direkt ins ganze Boot hinein, und das wurde dann auch völlig ungeniert getan. Und dann gibt es noch die jungen Leute, die auf der Suche nach einem (am liebsten kostenlosen) Plätzchen an Bord sind. KJ und ich sind also ziemlich verdutzt, als wir am Sonntagabend noch für ein letztes Gläschen im Cockpit sitzen und zwei sehr blonde junge Holländer fragen, ob das ein KM-Boot ist. Na klar, und woher wisst ihr das? Stellt sich heraus, dass sie zwei der 7 (!) Crewmitglieder auf der Guanara sind, alias Ex-Tulip, einem riesigen 88-Fußer, der ebenfalls bei KM gebaut wurde. Natürlich bieten wir ihnen ein Brouwdok Double IPA an. Nette Jungs.

Guanara, ex Tulip

Heute Morgen waren wir schon früh wach, und ich hatte Hummeln im Hintern, also zack, die Zugangskarte an Piet weitergegeben. Piet war mir am Samstag auf dem Steg über den Weg gelaufen; er hatte „Harlingen“ hinten auf meinem TSRH-2022-Shirt gesehen, und er stammt ursprünglich aus Friesland, da ist sofort eine Verbindung da. Er ist mit seiner Frau drei Jahre lang auf Weltreise über die Barfußroute (Panama – Französisch-Polynesien – usw.) auf einer JPK 39 „Just Fantasy“. Das ist ein sehr schnelles Boot, bin gespannt, wie es ihnen am Ende gefällt. Zurück zum Ablegen: Beiboot achtern festzurren, Watt & Sea montieren, fertig. Ich muss sagen, es gibt ein paar Dinge an dem Beiboot, die mir deutlich weniger gefallen, aber es passt auf jeden Fall schöner aufs Heck.

Passt prima, die Badeleiter lässt sich schön hochklappen und die Leinen zum Watt & Sea laufen frei…

Wir haben bei herrlichem Wetter abgelegt, und nach einer halben Stunde waren wir weit genug aus dem Windschatten von Teneriffa heraus, um die Segel zu setzen. Es läuft jetzt wunderbar mit 15–16 kn Wind aus 155˚ und 8,5–9,5 kn Fahrt. Leider wird uns der Wind nicht die ganze Reise über so schön helfen, morgen wird es deutlich weniger.

Bis Mindelo, dort hoffen wir am 23. anzukommen.

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