Überfahrt und erste Woche auf Teneriffa

· Cruising, 2025, Tenerife

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Nach gut einer Woche kam Arnold wieder, um die Crew zu verstärken. Noch schnell bei Paz vorbei, und am nächsten Tag ging es wegen der Wettervorhersage auch schon gleich wieder los. Diesmal wieder viel Wind am ersten Tag, aber hätten wir gewartet, hätten wir die ganze Strecke motoren müssen. Wir fühlten uns beide in den ersten zwei Stunden nicht so richtig wohl, es stand eine ziemlich fiese See, so sehr, dass wir uns nicht trauten, die Segel zu setzen. Für die Nicht-Segler: Wenn sehr kurze, hohe Wellen stehen, ist es ziemlich mühsam, zum Setzen des Großsegels in den Wind zu drehen. Das Schiff bekommt dann heftige Schläge ab, und wenn es nicht sein muss, lassen wir das lieber. Also hieß es einfach weiterfahren, bis es richtig tief wurde. Nach etwa zwei Stunden unter Motor waren wir wieder über ein paar Kilometern Wassertiefe und die Wellen wurden länger. Schnell die Segel hoch, und ab! Es lief wieder herrlich.

Mit PredictWind und der Starlink-Verbindung kann man auf See inzwischen problemlos alle paar Stunden den optimalen Kurs neu berechnen und segelt so möglichst komfortabel und trotzdem möglichst schnell. Um das in Zukunft noch zu verbessern, habe ich seit Lissabon ein „DataHub“-Kästchen von PredictWind an Bord. Technisch ist das ein ganz gewöhnlicher Low-End-Router für 50 Euro, aber mit direkter Anbindung ans NMEA-200-Bordnetz. Das Kästchen misst ständig, wie schnell wir bei welchem Wind segeln, und schickt das ans Rechenzentrum von PredictWind in Neuseeland. Bei jedem weiteren Törn nutzt ihr Vorhersagemodell dann diese Daten, sodass es immer besser auf der tatsächlichen Geschwindigkeit basiert, die die Merrimac läuft. Aber auch so war es schon fantastisch: Wir konnten auf See die ganze Strecke segeln, meistens mit einem wahren Windwinkel (TWA) von 60 Grad. Das ist ziemlich hoch am Wind, aber bei nur 8–11 Knoten Wind ist das gerade angenehm, weil das Boot dann prima läuft. Selbst beim Minimum von 3 Knoten Wind konnten wir hoch am Wind noch etwas Fahrt halten. Nach zwei Nächten kamen wir morgens an der Nordostecke von Teneriffa an. Im berüchtigten Gewässer zwischen Teneriffa und Gran Canaria gibt es oft eine Beschleunigungszone, in der der Wind gewaltig zulegt, wenn er aus Nordost kommt. Diesmal leider nicht, also mussten wir tatsächlich motoren. Wir fuhren an der riesigen Stadt Santa Cruz, diversen Örtchen und Industrie vorbei, bis wir zu einem schönen Ankerplatz kamen, wo wir hoffentlich geschützt hinter einem hübschen roten Felsen lagen. Das war tatsächlich so, noch ein bisschen Schwell, aber gut auszuhalten. Um eine schöne Überfahrt reicher, konnte das „Anlegebier“ geöffnet werden!

Am nächsten Morgen hatte der Wind etwas auf Ost gedreht, und ich beschloss, mich dann eben an die Westseite der Insel zu legen. Dort landeten wir in einer ganz netten Bucht mit einer Klippe auf der einen Seite und einem Resortgebiet auf der Ostseite. Tja, all die Touristen, die wegen des schönen Wetters nach Teneriffa kommen, müssen ja irgendwo unterkommen. Offenbar ist das hier im Süden…

Das ist vom Beiboot übrig geblieben…

Am nächsten Morgen sitze ich drinnen, werde gemütlich wach und lese etwas, als Arnold plötzlich meldet, dass … das Beiboot futsch ist. Es lag an einer 8-mm-Dyneema-Leine im Wasser. Die Leine ist noch ganz, aber vom Schäkel, mit dem sie am Beiboot befestigt war, keine Spur. Und das Beiboot ist also auch weg. Tja, es könnte sein, dass sich der Schäkel gestern beim Schleppen losgerüttelt hat (was wir normalerweise nie machen, aber es waren ja nur ein paar Meilen ohne Wind). Es könnte aber auch sein, dass ein opportunistischer Typ dachte: Hey, das ist ja ein verdammt schönes Böötchen… Wir werden es wohl nie erfahren. Ich versuche, die Küstenwache (Guardia Civil) und den Seenotrettungsdienst zu erreichen. Sogar die 112. Kein Anschluss, keine Antwort. Höchstens piep piep piep. Tja, Spanien und Englischsprechen ist offenbar immer noch so eine Sache. Später holen wir den Anker auf und unternehmen noch einen halbherzigen Versuch, indem wir ein Stück an der Küste entlangfahren. Aber das ist Legerwall, also ist die Chance, dass dort etwas liegt, nicht groß – vielleicht hat ja aber jemand etwas gesehen. Ein „Sécurité“-Ruf über Funk bringt auch keine Reaktion. Als ich den Hafen von Los Christianos anfunke, lautet die Antwort auch nur „Okay okay.“

Das Ärgerliche ist, dass wir hier nicht mehr unter die TVM-Versicherung fallen, die ich übrigens gerade gekündigt hatte, weil wir ab 1. November wieder über Marijke v/d Rest versichert sind, und da gibt es eine hohe Selbstbeteiligung. Außerdem will ich sowieso keinen Schaden melden; die Chance, dass ich nächstes Jahr dann gar nicht oder nur viel teurer versichert werde, ist groß, und das riskiere ich nicht für die Kosten eines Beiboots.

Nach drei Uhr sind wir in der Marina von Amarilla Golf / San Miguel willkommen. Ein freundlicher Niederländer auf einem Katamaran hilft uns beim Anlegen; sie hatten uns schon am roten Felsen liegen sehen und sich gefragt, wo unser Beiboot ist… Tja! Die Hafenmeisterin erweist sich als unerbittlich: Du kannst nur bis zum 14. bleiben. Das ist blöd, denn am 15. kommen Tanneke und KJ an Bord. Taschen laden und danach Einkäufe erledigen ist vor Anker deutlich mühsamer, und ohne Beiboot erst recht. Dann eben ein Auto mieten. Ja, mein Herr, das geht, füllen Sie das Formular aus, wenn Sie diesen QR-Code scannen, dann werden Sie angerufen. Spanien hat offenbar noch keine Lust auf Kees, denn ich fülle es aus und werde nicht angerufen. Am nächsten Morgen dann eben beim Resort anrufen. Oh, Auto reservieren über die Marina, ich verbinde Sie mit der Marina. Ja, nein, die sind erst ab zehn Uhr da. Seufz. Also bis zehn warten, zurück zu den Damen im Büro. Jetzt ganz reizend: Ich telefoniere wegen deines Beiboots herum, und das mit dem Auto ist komisch, kannst du es noch mal ausfüllen? Diesmal bekommt sie tatsächlich eine Meldung und ich per E-Mail eine Bestätigung, dass ich registriert bin und angerufen werde. Und tatsächlich werde ich jetzt innerhalb von 5 Minuten von einem Engländer angerufen. Soll das Auto zu euch kommen, oder lauft ihr zu meinem Büro? Nachdem wir 5 Tage nicht an Land waren, entscheiden wir uns fürs Laufen. Vorbei an 5 monströsen Resorts kommen wir zu einem netten Kerl, der einen wunderschönen orangefarbenen MG hat. Den nehmen wir natürlich, denn MG = Maria Gillhaus. Er entpuppt sich als prima Auto, allerdings mit ein paar chinesischen Späßen, so heißt die Lüftungsstufe „Wind mode“. Und das Motörchen ist für die Berge etwas kurzatmig. Auf die Frage, wie es mit eventuellen Dellen und Kratzern aussieht, sagt er: Ich komme nicht mal mit raus, du kannst das Auto auch ungesehen am Hafen stehen lassen, solange der Schlüssel dabei ist, ist mir alles recht. Was für eine Wohltat im Vergleich zur Abzocke bei den meisten anderen.

Blitzschnell fahren wir dann zur Marina von Las Galletas, vielleicht bekomme ich ja einen Platz, wenn ich persönlich vorbeischaue? Nein, sie ist seit letztem November bis einschließlich nächsten März für jeden Freitag und Samstag ausgebucht. Bizarr, aber mir bleibt nichts anderes übrig, als das zu glauben. Immerhin ruft die Hafenmeisterin (auch hier also eine Frau) vom Büro aus schnell bei der Marina in Santa Cruz an, der Hauptstadt an der Nordostseite. Nun, wenn ich gaaanz schnell eine E-Mail mit all meinen Daten schicke, könnte es vielleicht klappen. Natürlich sofort erledigt. Und dann selbst auch los nach Santa Cruz, denn dort sitzt ein Beiboothändler, der laut Internet ein Boot hat, das infrage kommt. Eine Stunde Autobahn später und nachdem wir uns durch die – soweit man sehen kann – ganz nette Stadt gequetscht haben, kommen wir im riesigen Fischereihafen an. Ein großer Händler mit lauter Fischerbooten, RIBs und tatsächlich einem einzigen 9-Fuß-Beiboot mit festem Boden. Zwar mit GFK-Boden statt Aluminium, aber immerhin aus Hypalon und nicht aus PVC. In den Tropen ist ein PVC-Boot im Nu kaputt, Hypalon ist also Pflicht. Dass das Boot gelb ist, ist wiederum lustig. Das war unser erstes Plastimo-Beiboot auf der Merrimac 1 nämlich auch…

In Erwartung des leckersten Fischs aller Zeiten

Mit dem ergatterten Beiboot kommt die Seele zur Ruhe, und plötzlich haben wir einen Bärenhunger. Arnold hatte den schon eine Weile, verstand aber, dass ich das zuerst erledigen musste. Zweihundert Meter weiter im Fischereihafen gibt es ein kleines Restaurant. In der Ecke einer Industriehalle, mit Schiebetür, Plastiktischen und -stühlchen, sitzen die einheimischen Arbeiter und essen ein Fischlein. Ich bestelle Fischkroketten und „Merluza“, also Seehecht. Arnold schaut etwas besorgt, aber die Kroketten sind genauso lecker wie Bitterballen, und der Seehecht, den er nicht kannte, ist fantastisch zubereitet und der leckerste Fisch, den er (und vielleicht auch ich) je gegessen hat. Satt und zufrieden fahren wir anschließend bei der Marina in Santa Cruz vorbei. Natürlich noch nichts gehört. Aber siehe da, heute geschehen noch Wunder: Sie haben offenbar längst zugesagt, nur bekomme ich diese E-Mail nicht. Wie auch immer, ich unterschreibe einen Zettel, leiste 20 % Anzahlung und bin ab dem 14. willkommen. Tanneke und KJ müssen dann zwar mit dem (Taxi-)Bus nach Santa Cruz, aber hier können wir prima auf Nahrungssuche gehen. Abends essen wir am Hafen im Restaurant über dem Hafenmeisterbüro, 50 m vom Boot entfernt, wieder fantastisch. Ob Spanien uns wohl langsam über den Magen erobern kann? Landschaftlich ist es noch nicht so umwerfend: Die Küstenstraßen an der Südseite sind prima, aber im Süden gibt es viele Resorts, und die Stadt ist zwar ganz nett, aber auch nicht mehr.

Am nächsten Tag, Arnolds letztem, haben wir Zeit für Urlaubskram. Morgens machen wir zuerst eine Fahrt mit einem U-Boot, das uns für ein Stündchen auf 30 Meter Tiefe mitnimmt. Ganz nett, viel Fisch (auch weil sie natürlich gefüttert werden), darunter vier große Rochen. Danach haben wir noch Zeit, auf den Vulkan zu fahren. Den Gipfel des Teide sehen wir schon seit Tagen vom Boot aus. Hoffentlich gibt es etwas zu sehen, denn es zieht immer mehr zu. Einmal über den Wolken, klappt uns die Kinnlade runter. Wir sind auf rund zwei Kilometern Höhe, die Aussicht über die Wolkendecke ist großartig, der Himmel über uns glasklar, trocken und blau. Als wäre man in den Bergen. Ach was, wir sind ja auf einem Berg! Noch ein Stück weiter fahren wir in die Caldera hinein. Was wir erst jetzt kapieren: Es gibt nicht nur einen Gipfel, sondern einen gigantischen Krater (eben eine Caldera), der etwa 5 mal 20 Kilometer groß ist. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Riesige Felsfelder mit Steinen, die aussehen, als wären sie gestern aus der Erde geschleudert worden. Wunderschön. Über die Nordseite fahren wir wieder hinaus und von dort links herum über immer kleinere Sträßchen zurück zum Flughafen. Die Nordseite ist viel feuchter und keine Touristenresorts weit und breit, hier ist alles ganz anders. Nicht so grün wie Madeira, aber doch grün, im Gegensatz zu den Kakteen und den braunen und grauen Farben der Südseite.

Die Caldera des Teide

Punkt fünf Uhr, genau nach Plan, sind wir am Flughafen TFS (Tenerife Sur). Arnold stellt sich in die lange Schlange, die Check-in-Schalter von Transavia sind noch nicht offen. Wir trinken noch ein letztes Bierchen zusammen, und dann gehe ich zu den Ankünften. Marion kommt schon nach einer Viertelstunde heraus, sie waren schneller geflogen als geplant. Schnell noch Arnold drücken, und dann ab zur Marina. Wir essen wieder am Hafen und bekommen dort eine fantastische Paella mit Ente statt Fisch. Zurück an Bord schlafen wir schon vor zehn ein, Marion braucht erst mal etwas Ruhe. Heute Morgen durfte sie schön ausschlafen, und ich konnte in aller Ruhe den Blog aktualisieren. Ihr seid jetzt alle wieder auf dem neuesten Stand, heute ist Freitag, der 7. November!

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