Lissabon

· Cruising, 2025, Portugal

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Am dritten Tag nach Porto kamen Ella und ich in der Bucht an, in der auch Lissabon liegt. Den ersten Nachmittag und Abend verbrachten wir in der Ankerbucht von Cascais. Ella war dort schon einmal mit ihren Freunden an Land gewesen, also hatten wir kein „Bootskoller“, das uns an Land trieb. Ankern ist dann wirklich großartig: Du wirfst den Anker, schaust, ob er hält, und fertig. Keine Fender zum Aufhängen, keine Leinen zum Klarlegen, keine Anlegemanöver, kein Hafenmeister, mit dem du verhandeln musst, wo und wie, keine Zaungäste, die sich einmischen. Nichts von alledem, einfach sofort Ruhe, und danach bist du immer noch schön für dich.

Ella ruht sich nach einem Segeltag in der Ankerbucht von Cascais aus

Inzwischen sah der Plan so aus: Wir wollten am oder vor dem 18. in Lagos an der Algarve sein, wo Ella Urlaub mit ihrer festen Sommerurlaubstruppe machen wollte. Nach anderthalb Wochen hatte ich endlich Kontakt zur dortigen Werft, Sopromar. Das war eine Enttäuschung: keine Zeit, an der Algarve ist im Sommer viel los. Und die Marina war auch schon voll. Nicht, dass ich im Sommer gern an der Algarve bin, viel zu voll: sozusagen das Benidorm und Scheveningen Portugals. Also dann eben eine Marina hier in der Nähe von Lissabon. Und dann schauen, wie wir den Hoyt-Baum hier repariert bekommen. Die Marina, in der wir letztes Mal so schön gelegen hatten, am Ostrand von Lissabon auf dem ehemaligen Weltausstellungsgelände, Parque das Nações, hatte auch keinen Platz mehr. Das darf doch nicht wahr sein? In Cascais wollte ich lieber nicht liegen, also schnell bei der Marina von Oeiras (sprich: O-ei-rasch) angerufen, und siehe da, dort konnten wir morgen unterkommen. Prima Liegeplatz und nette Hafenmeister, Blick auf vier Restaurants, alles bestens. Und jeden Morgen gibt’s sogar gratis Brötchen. Schnell eine Presse, ein paar andere hydraulische Teile und einen Drucker bestellt, jetzt, wo wir eine Lieferadresse hatten. Mit Marion gesprochen und die Pläne angepasst: Sie flog am nächsten Tag nach Lissabon, und im Laufe der Woche wollten wir dann zu dritt in ein wunderschönes Häuschen in einer Ferienanlage irgendwo an der Algarve. Zuerst kam aber noch Miguel, der Sohn von Paz, der in Lissabon als Ingenieur arbeitet, zu einem gemütlichen Abendessen vorbei.

Miguel, der Sohn von Paz, kam einen Abend vorbei; rechts ist gerade noch das Boot zu sehen

Da wir uns alle Lissabon schon ein paarmal angesehen hatten, haben wir uns die typischen Touristensachen gespart, aber ich hatte gesehen, dass es ein nationales Fliesenmuseum gibt. Da Fliesen eine echte portugiesische Spezialität sind, sind wir zu dritt mit Bolt (geniale Erfindung) hingefahren. Fantastisch anzusehen, absolut empfehlenswert, und eigentlich lernst du dort mehr über Portugal als in einem klassischen Museum mit Gemälden. Schön ist natürlich auch die Verbindung zu Harlingen: Irgendwann wurden die Protestanten dort rausgeworfen bzw. rausgeekelt; jedenfalls sind viele in die damals noch tolerante Niederlande geflohen und haben uns beigebracht, wie man Fliesen macht.

Ein Stück Kirche im nationalen Fliesenmuseum

Da wir keine Eile hatten und einen Mietwagen, haben wir uns die Küste westlich von Lissabon angeschaut und sind die langsame Strecke an der Küste entlang zur Algarve gefahren. Interessant zu sehen, wie die Südwestküste Portugals eine völlig andere Atmosphäre hat als die Algarve, viel gemütlicher und ursprünglicher. Auch dort viele Touristen, aber eher vom Typ echter Camper und vor allem Surfer-Dudes.

Am Häuschen angekommen, stellte sich heraus, dass es zwar in einer älteren Anlage stand, der Pool war geteilt und nicht mehr als okay, die Zufahrt eng, aber das Haus war prima eingerichtet und hatte direkten Blick auf die Felsküste. Nachdem ich den Router auf die Dachterrasse gestellt hatte, hatten wir sogar richtig gutes WLAN. In der Nähe haben wir herrlich gegessen; der Vermieter hatte einen prima Tipp für ein prima Fischrestaurant, wo es wirklich köstlich war.

Blick aus unserem Häuschen

Am 18. habe ich Ella nach Lagos zu ihren Freunden gebracht. Mit ein bisschen Überredungskunst konnte ich kurzfristig noch einen Tisch zum Mittagessen in einem 2-Sterne-Restaurant (Michelin) am Meer ergattern, dem Vila Joya, wo wir zusammen unseren 31. Hochzeitstag feierten. Das taten an dem Tag dort zwei Paare, ein portugiesisches Ehepaar und wir – wie besonders ist das denn. Üppiges Essen und Trinken. Tipp fürs nächste Mal: Nimm die einfachere Weinbegleitung …

Cocktails und eine Begrüßungsmuschel im Vila Joya

Das Essen war so üppig, dass wir am nächsten Tag, als Marion von Faro aus wieder nach Hause flog, nicht mehr viel unternommen haben und beide sogar ein bisschen neben der Spur waren. Es war sehr lecker, aber eben auch etwas zu viel des Guten. Marion musste wieder nach Hause, weil unsere Freundin Marleen ihren Geburtstag gern in Milûk feiern wollte. Nachdem ich Marion abgesetzt hatte, bin ich nachmittags über die Autobahn zurück nach Oeiras gefahren, wo ich Wim und Mar von der Pelagia wiedertraf. Am nächsten Tag sind Wim und ich zum „Centro Nautico de Algés“ gefahren, 4 Kilometer weiter, wo ich einen Termin mit dem Werftchef Tiago hatte. Ein prima Kerl, und er wollte die Merrimac und die Pelagia gern aufnehmen: Bei ihnen ist es im Sommer nämlich gerade ruhig, weil alle Lissabonner an der Algarve sind. Prust.

Die Jungs von CN Algés pressen mit einer hydraulischen Presse den Bolzen aus dem Hoyt-Baum

Jetzt, fast zwei Wochen später, ist schon einiges passiert. Der Baum ist zerlegt, es ist tatsächlich einfach Verschleiß, und mit der Werft ist besprochen, wie er mit ein paar Verbesserungen wieder wie neu wird, bzw. eigentlich sogar besser als neu. Künftig also lieber erst reffen, bevor wir bei Windstärke 6 oder 7 die Fock halsen! Außerdem haben die äußeren Ruder neues Trilux bekommen, denn die Grundierung haftet auf den Edelstahlrudern nicht so gut, und nach 2–3 Jahren ist es schnell wieder so weit.

Ich habe selbst auch noch 2 Wochen am Boot gearbeitet: die Leitungen des Wassermachers optimiert und die Zuleitung des neuen Wechselrichters für das Induktionskochfeld schaltbar gemacht, denn der Wechselrichter blieb ständig an und verwandelte 24 Stunden am Tag Batteriekapazität in Wärme. Das ist natürlich schade, also auch das geändert. Die Deckenverkleidung in der Vorschiffskabine ist mit ein paar zusätzlichen Clips neu montiert, die sitzt also auch wieder fest. Und so weiter, und so weiter, kauf dir ein Boot, haben sie gesagt …

Auf so einer Werft kommst du übrigens schnell ins Gespräch; ich war mit einem Engländer und seiner österreichischen Frau essen, und das Besonderste war ein Mittagessen mit zwei Deutschen, Jan und Matthias. Matthias ist hier im Dezember mit einer Lagoon 38 angeweht. Seine Motoren brauchten eine Wartung, und sein neuer Freund Jan, der hier schon seit einigen Jahren (mit Boot) lebt, kannte einen Mechaniker. Nach zwei Monaten waren die Motoren immer noch nicht zurück. Das Ende vom Lied: Die Motoren kamen in noch schlechterem Zustand zurück, und er war 5000 € los. Jetzt hat er eben die Werft selbst beauftragt, neue Motoren einzubauen. Da verstand ich, warum Tiago, der Werftmanager, mir erklärt hatte, dass er nicht einfach irgendwelche Firmen von außerhalb reinlässt: schlechte Erfahrungen. Jan, der hier schon fünf Jahre lebt, wollte uns (Matthias, Wim und mich) unbedingt zum Mittagessen auf die Südseite mitnehmen. Und danach noch in ein „illegales“ Fischerdörfchen, wo du ein Getränk trinken kannst, das aus „Flüssigkeit“ besteht, und nach dem dritten sagst du nur noch die Wahrheit … Okay … Unterwegs zeigte er uns noch eine Festung aus dem Ersten Weltkrieg. Schön, weil nicht restauriert und in herrlich verfallenem Zustand. Offenbar gab es nie eine Stahlkrise, denn die alten Kanonen standen noch da. Danach lecker gegessen in einem Restaurant, in dem wirklich kein Englisch gesprochen wurde und wo man laut Jan nur bar zahlen konnte. Allerdings hat auch hier der Verfall schon eingesetzt: Kartenzahlung ging inzwischen auch. Er war sichtlich betroffen. Zwischendurch bekamen wir seine ganze Lebensgeschichte zu hören, mit Jobs, Häusern und diversen Freundinnen. Partys mit Alkohol und Drogen während Corona. Kurz gesagt, ein Mann vom extravaganten Typ. Wir dachten, er hätte eine Freundin, aber zufällig aß sie im selben Restaurant mit ihrem Vater, und da erfuhren wir von ihm, dass sie gerade mal eine kleine Pause voneinander hatten. Er mochte seine Freundinnen gern so wie seinen Kaffee. (… das erkläre ich hier nicht weiter, das darfst du dir selbst ausmalen …)

Jan und Wim begutachten eine 110 Jahre alte Kanone

Kurzum, nach einem vergnüglichen Nachmittag kamen wir kugelrund wieder am Boot an, und an dem Tag wurde nicht mehr viel geschafft … Dabei fiel uns auf, dass er überhaupt nichts über uns wusste – nicht danach gefragt.

Morgen früh fliegen Wim und ich zusammen mit TAP wieder nach Hause. Ich für 3 Wochen, dann mache ich hier mit den Vorbereitungen weiter, bevor Koen und Saskia in der zweiten Oktoberwoche kommen, um gemeinsam nach Madeira zu segeln.

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