Bretagne (Frankreich) und Sada (Spanien)
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Das Wetter in Cherbourg war ziemlich unbeständig: immer wieder Regen und eine Reihe von Tiefs, die durch den Ärmelkanal und über England zogen. Als sich dann ein Wetterfenster mit relativ wenig Wind auftat, der aber immerhin aus einer nicht ganz verkehrten Richtung kam, sind wir also schnell los. Marc und sein Segelkumpel waren schon ohne Martine (die mit dem Zug fuhr) zum Ziel der von ihnen mitorganisierten Regatta und Rallye “Scheveningen 500” aufgebrochen, nämlich nach Roscoff. Wir haben dort nicht angehalten: Erstens haben wir gar nicht mitgemacht, und zweitens schien es mir schlau, jetzt, wo kein West im Wind steckte, gleich die Westecke der Bretagne zu runden. Wim und Mar auf Pelagia hatten dieselbe Idee und waren um 04:00 Uhr (ja, vier Uhr nachts) losgefahren. Ich habe bis 6 Uhr ausgeschlafen und bin dann ebenfalls bei Niesel und Nebel ausgelaufen. Draußen vor dem Hafen zeigte sich, dass man hoch am Wind eigentlich ganz ordentlich segeln konnte. Prima. Später wurde der Wind immer raumer, und wir konnten viel segeln, bei allmählich auch weniger nieseligem und nebligem Wetter. Pelagia bog Richtung Brest ab, wir dagegen sahen unsere Chance, bis nach Loctudy zu fahren.

Mit Arnold war ich schon 2017 dort (siehe Foto). Leider habe ich damals noch nicht über Ziele und Reisen gebloggt, aber es gab da einen kleinen Vorfall. Wir fuhren nämlich bei herrlichem Wetter den Fluss hinauf und dachten, hier können wir schön ankern und trockenfallen. Auf der digitalen Karte war damals (noch) nichts eingezeichnet. Zehn Minuten nachdem wir geankert hatten, kam so ein Fischerbötchen mit einem Bushäuschen drauf aufgeregt angebraust. Es stellte sich heraus, dass wir mitten auf den Austernbänken des Herrn lagen. Oje, sorry sorry sorry! Anker auf, und tatsächlich kam eine ganze Stahlmatratze voller Austern mit hoch. Ich glaube, der Austernzüchter war froh, so glimpflich davongekommen zu sein: bei Niedrigwasser kurz reparieren, aber zum Glück hatten wir nicht eine ganze Nacht mit unserem dicken Bootsbauch auf seinen Austern gelegen. Er brachte uns dann dorthin, wo es seiner Meinung nach okay war, natürlich ein viel zu tiefer Ankerplatz. Haben wir trotzdem gemacht, und dann ganz fix eine schöne Flasche französischen Bordeaux aus dem Vorschiff geholt, als Zeichen der Entschuldigung.
Diesmal war für die zwei Tage danach schlechtes Wetter angesagt, auch mit sehr viel Wind. Wir waren also schön rechtzeitig drin. Bei so einem Mistwetter ist es zu dritt im Beiboot zum Essengehen usw. nicht so der Hit, also ab in die Marina. Dort gab es noch einen wunderbaren Platz für uns. 2017 waren wir gar nicht im Ort selbst gewesen, nur am anderen Ufer. Loctudy entpuppt sich als typisch bretonisches Ferien- und Fischerdorf: prima Essen (Crêpes, Fisch, Croissants) und ein winziges Museum über Aufstieg und Niedergang der Sardinenkonserven. Mir war das nie so klar gewesen, aber mit dem Aufkommen billiger elektrischer Kühlmaschinen war es schnell vorbei mit dem Dosenfisch; man konnte fortan “frischen” Fisch essen, und der schmeckt natürlich viel besser.
Inzwischen war es schon wieder Zeit, Arnolds Heimreise zu buchen. Dann eben wieder den TGV ab Lorient? Gesagt, getan. Nach den windigen Tagen mit frisch blankgepustetem Himmel, aber noch kräftigen Schauern, ging es los. Alles lief prima, bis auf halber Strecke plötzlich Wind in so einem Schauer steckte. BUMM! KNALL! Erschrocken schaute ich in der Cockpit auf, und die Kinder standen auch auf einmal draußen. Das Aluminiumstück, das aus dem Hoyt-Fockbaum herausragt und an dem der Hydraulikzylinder angreift, war abgerissen: Das Auge hatte irgendwo schon einen halben Riss, und für den Rest waren die Kräfte zu groß geworden. Glück im Unglück: Zylinder und Hydraulikschlauch blieben heil.
Schnell die Fock eingerollt und den Baum fixiert. Hoppla, also im Hafen erst mal genau anschauen, was los ist, und dann weitersehen. Ohne Baum können wir zwar auch mit der Fock segeln, aber deutlich weniger angenehm. In Lorient im Stadthafen festgemacht. Nach dem Mittagessen mit dem Hafenmeister gesprochen, und der kannte jemanden, na wunderbar. Der sollte am nächsten Morgen (Montag) kommen. Montagmorgen um 10 natürlich noch nichts. Ich also nachgefragt: Ah ja, der Hafenmeister von gestern hat frei, aber wir wissen Bescheid und rufen mal an. Um 12 kam eine andere Hafenmeisterin und meldete, dass der Schweißer gleich nach der Mittagspause käme. Schön. Und tatsächlich war er um zwei da, ein netter junger Kerl, und er hat kapiert, worum es ging. Im Nachhinein hätte ich keinen Schweißer gebraucht, sondern eher einen Allround-Mechaniker, aber das konnte er auch. Er nahm ein paar Teile mit nach Hause, um sie dort auf das von mir gewünschte Maß fertigzumachen, und am nächsten Tag kam er und baute sie ein. Jetzt sitzt alles besser als vor dem Schaden, also alles bestens. Allerdings habe ich dabei festgestellt, dass wir noch ein Problem haben: Der Baum selbst kann ein bisschen um seinen eigenen Bolzen wackeln. Das muss also auch noch repariert werden, aber das eilt nicht so.
Arnold und Ella waren an einem dieser Basteltage auf dem großen Museumsgelände auf dem ehemaligen U-Boot-Bunkergelände. (Auf Niederländisch heißt das übrigens “onderzeebootbunkerterrein” – ich bin gespannt, was Google Translate aus diesem wunderschönen zusammengesetzten Wort macht!) Leider war das alles etwas enttäuschend: Die eine Ausstellung wäre vielleicht ganz nett gewesen, aber alle Schilder waren nur auf Französisch, in den U-Boot-Bunker selbst durfte man offiziell nicht rein usw. usw. Zum Glück wissen die Kinder, was ein Steg ist, und vielleicht kommt man ja von hinten rein? Und tatsächlich, fröhlich pfeifend spazierten sie einfach in den Bunker.
Lorient selbst wurde wegen dieser Bunker im Zweiten Weltkrieg natürlich komplett plattgebombt. Während die Franzosen in Saint-Malo das ganze Zentrum historisch wiederaufgebaut und in Le Havre einen wunderschönen Stadtplan entwickelt haben, ist Lorient eine Art Beton-Kreuzung aus einer amerikanischen Stadt (rechtwinkliges Straßenraster) und den schlechten Vierteln von Almere. Ehrlich gesagt ziemlich trostlos. Die Restaurants waren auch etwas dubios. Eindeutig also kein Touristenmagnet; nächstes Mal gehen wir wieder in die Marina an der Einfahrt (Kernevel heißt sie), wo man im örtlichen Strandörtchen für Touristen ist, mit prima Essen und schönen Spaziergängen.
Am Mittwoch haben wir Arnold zum Bus gebracht. Sein TGV Lorient–Paris hatte etwas Verspätung, aber das machte nichts, denn der Eurostar Paris–Amsterdam auch. Trotzdem ein super System: In 9 bis 10 Stunden bist du von jeder größeren Stadt in Frankreich in Amsterdam. Schnell das Wetter gecheckt und gesagt: Ella, wir fahren, sonst verpassen wir das Wetterfenster! Schnell bezahlt, Leinen los und gleich vor dem Hafen Segel gesetzt. Nochmal kurz aufs Wetter geschaut. Oh, ich habe mich um einen Tag vertan… Macht nichts, dann gehen wir eben noch eine Nacht irgendwo vor Anker. Dafür kam Belle-Île (“schöne Insel”) mal wieder sehr gelegen. Unterwegs haben wir noch extreme Einhand-Rennboote gesehen, die uns in der Gegenrichtung entgegengeschossen kamen. Es war eigentlich egal, wie wir fuhren, der Geschwindigkeitsunterschied war enorm. Im Video seht ihr die Banque Populaire 12 mit ihrem Solosegler vorbeirauschen…
Das Ankern war wieder herrlich; bei so einem kurzen Stopp ist das ideal, denn du musst nur den Anker werfen und morgens wieder hochholen – keine Fender und Festmacher nötig, genial. Am nächsten Morgen bei erstem Licht ging es los Richtung La Coruña, genauer gesagt Sada, knapp darunter. Das wegen Pitou, siehe später. Es wurde ein wunderschöner Törn, mit Wind von schräg achtern und achtern, am ersten Tag mit genug Wind, am zweiten etwas wenig, aber immer noch prima. Das machte nichts, es ging herrlich ruhig voran, und die Wellen passten auch dazu, nachdem wir erst mal den Kontinentalschelf verlassen hatten. Die Tiefe geht da innerhalb weniger Kilometer von 150 auf 2500 bis 4000 Meter. Alle “fiesen” Wellen sind plötzlich weg. Im ersten Video vom ersten Tag siehst du noch Kreuzseen, im zweiten Video sind sie dann komplett verschwunden.
Als ich ankam, lag Ella friedlich im Tiefschlaf (es war 2 Uhr nachts), und wir hatten auch noch keine Box in der Marina von Sada zugewiesen bekommen. Also wieder vor Anker und nach anderthalb Nächten Durchfahren schön geschlafen. Am nächsten Tag in den Hafen; wir durften an I 30 festmachen. Angekommen: I finden wir, aber wo ist 30? Nach kurzem Suchen kamen schon zwei Marineros (wörtlich “Hafenmänner”) angelaufen. Diese Box, Señor. Oh, aber hoppla, auf dem Seitensteg sind gar keine Klampen! Macht nichts, wir holen schnell zwei woanders weg. Was wir in Holland “Franse slag” nennen, also so eine französisch-lässige Schlamperei, hätte vielleicht besser “spanische Art” heißen sollen?
Danach gleich zum Kaffee bei Liselotte und Machiel von der Segelyacht Pitou. Das sind (Segel-)Freunde, die wir schon seit Suriname 2019 kennen. Sie sind damals durch den Panamakanal und von dort über Hawaii nach Alaska und dann wieder runter zurück. Jetzt sind sie nach 7 Jahren Segeln auf dem Weg in die Niederlande. Nette Leute! Beim Sundowner wurde es noch spannend: Hafenkino. Es wehte ordentlich, und ein Dauerlieger mit einem riesigen Motorboot kam an, um auf Legerwall anzulegen. Offenbar nicht an diesen Wind gewöhnt, machte er immer wieder kurz vor der Box dieselbe Drehung wie bei Flaute. Nur funktioniert das bei Wind nicht, da musst du viel weiter vom Steg weg drehen und dann länger rückwärts fahren. Aber gut, nach vier Versuchen fiel er plötzlich zur anderen Seite ab und fuhr einfach immer weiter auf uns zu! BUMM! Der ganze Bugkorb an Steuerbord verbogen. Na toll, auch das noch! Nachdem sie dann doch vorwärts angelegt hatten (und wir verstanden, warum sie das nicht wollten: Jetzt mussten alle 6 Gäste sehr unelegant über den Anker runterklettern und von vielen Händen in Empfang genommen werden) und wieder Ruhe eingekehrt war, kam der Eigner/Skipper ganz anständig vorbei und regelte gleich mit der örtlichen Werft, dass das am Montag repariert wird.
Nachdem auch wir uns von der Aufregung erholt hatten, gingen wir zu viert essen, auf einer Terrasse mit Blick über den Hafen. Wir hatten gerade das erste Glas Wein eingeschenkt, als wir plötzlich eine (sehr!) bekannte Stimme hörten: Marion war heimlich nach Coruña geflogen (über Málaga, man stelle sich vor) und war nach einem ganzen Reisetag bei ihrer lieben Tochter angekommen, die ein paar Tage später Geburtstag haben sollte! Ich hatte schon eine vage Ahnung, aber es war trotzdem eine echte Überraschung! Natürlich total schön, und ein dicker Kuss. Nach einem sehr geselligen Abend ab ins Bett.
Am nächsten Tag gemütlich mit frischem Baguette gefrühstückt und Pläne für den ersten Tag geschmiedet. Zwei Dinge standen an: ein Geburtstags-Kanu für Ella aussuchen (durch Ella) und abends in einem Restaurant in La Coruña essen. Marion und ich hatten 2019 zwei Tage hintereinander fantastisch im “Peculiar” gegessen. Auch diesmal war es, zwar etwas anders als damals, wieder außergewöhnlich lecker. Es war jetzt “Shared Dining”, also bestellten wir sechs Gerichte. Fünf hätten auch gereicht, zumal Ella und ich noch einen wirklich unverschämt leckeren Nachtisch hatten. Die Gerichte kamen, sehr angenehm, eins nach dem anderen auf den Tisch, in einer von ihnen festgelegten optimalen Reihenfolge. Absolut top.
Am nächsten Tag waren Marion und Ella mit Pitou in Santiago de Compostela. Sie haben dort auch die Messe besucht, ich höre, es war sehr schön. Ich selbst war nicht dabei: genug an Bord zu tun, und mein Knie macht mir ziemlich zu schaffen. Beides kommt hier im Blog etwas zu kurz; das rechte Knie erholt sich nur mühsam, seit ich im Januar bei Brouwdok über ein Stück ausgebaute Inneneinrichtung gestolpert bin. Es schien auf dem richtigen Weg zu sein, aber jetzt entzündet es sich innen doch wieder; ich vermute dasselbe Problem wie damals links: Mein Körper neigt schnell zu Autoimmunreaktionen. Jetzt also mit Diclofenac einschmieren und hoffen, dass es besser wird. Sonst eben mal eine etwas ernsthaftere Spritze rein. Und die Bootsarbeiten, puh, dann würde jeder Beitrag noch doppelt so lang.
Heute hat Ella Geburtstag. Ein leckeres Frühstück und die Übergabe ihres Geschenks (ein schöner Sennheiser-Kopfhörer). Marion hatte natürlich spanische Girlanden in der Cockpit aufgehängt (tagsüber lebt man hier hauptsächlich draußen). Danach sind die Damen einkaufen gegangen, und ich habe wieder Bootsarbeiten erledigt. Der Bugkorb sollte morgen fertig sein; den Baum hätte man hier zwar reparieren können, aber realistisch hätte das eine Woche gedauert. Ich habe mich deshalb entschieden, das in Lagos (Portugal) machen zu lassen; wenn Ella am 18. von Bord geht, habe ich Zeit bis zum 8. Oktober, wenn Koen und Saskia an Bord kommen.
So, ich bin wieder auf dem Laufenden, die Damen sind zurück, und wir gehen mit Liselotte und Machiel ein Stück Kuchen essen. Nächster Blog von der Westseite Galiciens!
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