Allein? Wie kommst du denn darauf!
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Ich merke immer, dass es mal wieder Zeit wird, diesen Blog zu aktualisieren, wenn mir Freunde aufs Handy schreiben und fragen, wie es so geht. Heute also ein kleines Update. Seglerisch ist wenig passiert: Ich liege immer noch in Ponta Delgada und bleibe hier auch noch ein paar Wochen.

Gerard ist dann doch recht schnell von Bord gegangen, weil die Wettervorhersage für einen Törn nach Terceira oder Horta sehr ungünstig war. Außerdem waren beide Häfen laut den Berichten ziemlich voll, das lud also auch nicht wirklich ein.
Gerard ging, aber die Kustzeilers auf der Miesje kamen. Joep kannte ich flüchtig von einer Vereinsveranstaltung. Paulien und Joep kamen mit ihrem Crewmitglied Bernhard aus der Karibik, sie haben ein Jahr lang eine Atlantikrunde gedreht. Hier habe ich sie richtig gut kennengelernt! Gesellige Sundowner und Essen gehen, aber auch ein herrliches Abendessen auf der Miesje. Als Blauwassersegler hat man immer Gesprächsstoff: gemeinsam besprechen, wie es denn nun mit dem Wetter aussieht, oder Ausrüstung, die Boote anderer Leute und natürlich die eigenen. Mit Joep und Paulien kam dann noch der Verein dazu.
In der Zwischenzeit lernte ich auch meinen Liegeplatznachbarn achteraus kennen, Kevin von der Distant Horizon. Ein Amerikaner von der stillen Sorte, freundlich, besonnen und sehr bescheiden. Er segelt ein Boot, das so ziemlich das Gegenteil von Merrimac ist: 35 Fuß, riesiger Bugspriet, Langkiel und 15 Tonnen schwer. Er ist einhand unterwegs, und seit Bermuda mit gebrochener Propellerwelle. Ist ohne Motor von Bermuda losgesegelt, weil das dort nicht repariert werden konnte. Hier zum Glück schon, also kam sein Boot letzte Woche an Land, damit ihm eine kleine lokale Firma eine komplett neue Propellerwelle einbauen konnte.

Kaum war die Miesje weg, kam die Inspirit mit Klaas Jan Kroon und Crewmitglied Oscar. KJs Freundin Jeanine und ihre Freundin Marike flogen einen Tag später ein. Auch das wurde immer geselliger, bis es am Ende jeden Tag Kaffee auf der Inspirit gab. Weil die Inspirit beim AZores And Back (AZAB) Race mitsegelte, war der Hafen proppenvoll, sehr gesellig, und es gab alle möglichen Veranstaltungen, bei denen ich als OCC-Mitglied und Anhängsel der Inspirit-Crew ebenfalls willkommen war.

Dabei vergesse ich fast Jean und Fabienne von der Colibri, die ich nach einem durchziehenden Sturm besser kennenlernte, bei dem mein Landstromkabel ihre Steckdosenleiste ins Wasser gezogen hatte. Nach einer kleinen Lektion in Elektrizitätslehre von Jean (er war Lehrer) wollte ich ihnen mal lieber eine Flasche Wein vorbeibringen. An Bord angekommen stellte sich heraus, dass ich die Flasche im Wein- und Käseladen vergessen hatte, also wurde es stattdessen ein leckerer Käse von den Azoren. Unglaublich herzliche Leute, und Jean drehte schnell bei, als er erfuhr, dass ich mich mit maritimen Computernetzwerken auskenne und einer der Gründer von Signal K bin. Jean sprach sehr gut Englisch, aber mit Fabienne musste ich mein Schulfranzösisch ordentlich trainieren. Ansonsten sah ich sie nicht viel, weil sie fast jeden Tag mit Bus und E-Bike unterwegs waren. Daraus ist ein wunderschönes Video über São Miguel entstanden, siehe unten.
https://youtu.be/AtW31ZLoLs8 (ich darf das Video hier nicht auf der Seite einbinden, du musst also zu YT.)
Am Samstag bin ich mit ein paar AZABlern, darunter Oscar, zu einer Walbeobachtungstour mitgefahren. Mit einem RIB raus. Wir haben zwei Finnwale gesehen. Die sind etwas langweilig, weil sie nicht aus dem Wasser springen, aber sie kommen alle 30–40 Sekunden zum Luftholen hoch, man kann ihnen also gut folgen. Meine Fotos und Videos waren allerdings eher mäßig, der Form halber hier eins. In echt war es aber schon etwas Besonderes, so ein riesiges Tier zu sehen: Der eine war 18 und der andere etwa 20 Meter lang, laut unserer Begleiterin.
Weil wir sonst keine Tiere zu sehen bekamen, wurde eine Portugiesische Galeere aus dem Wasser gefischt. Das ist keine Qualle, sondern eine Art Symbiose aus vier Arten von Polypen, Hunderten insgesamt. Jede Art hat ihre eigene Aufgabe; eine bildet ein Segel, das an den Helm eines portugiesischen Marinesoldaten erinnert; daher der Name.

Gestern ist das komplette AZAB-Feld ausgelaufen, bis auf ein Boot. Offenbar gab es eine latente Nachfrage nach Liegeplätzen, denn heute ist der Hafen schon wieder fast voll! Das passt mir gut, denn nach dem ganzen Trubel kann ich etwas Ruhe gebrauchen. Außerdem habe ich noch etwas Arbeit für einen neuen kleinen Auftrag und die Open-Source-Projekte. Jetzt also erst mal etwas weniger Kontakte, nur Kevin ist noch übrig. Die Propellerwelle ist repariert, der Motor läuft auch wieder, er ist also rundum glücklich. Morgen gehen wir essen, als Dankeschön, weil ich ihm mit seinem Vorstag, dem Dieselmotor und beim Anlegen geholfen habe.
Außerdem hatte ich noch jede Menge andere Leute an Bord, darunter Peter von der Segelyacht Henry. Peter und Wendy sind auch sehr nett. Ihre Van de Stadt 47 ist derselbe Entwurf wie die Oester 1. Schön gebaut und mit vielen der gleichen Entscheidungen, die wir auch getroffen haben. Peter kam gerade eben noch vorbei, um Wendy das Boot zu zeigen. Seitliche Relingspforte, Hoyt-Baum, Seezaun, Innenausbau: alles abgesegnet. Anfang der Woche hatte ich auch Jacco und Jannie von der Maaike S. an Bord, die sind schon seit über einem Jahrzehnt in ihrem Haus/Boot unterwegs. Über die Geschichten der beiden Paare zu den Problemen beim Bau ihrer Aluminiumyachten lasse ich mich lieber nicht aus. Sagen wir einfach, ich bin froh, dass bei uns alles ohne Probleme gelaufen ist. Ich spreche auch regelmäßig mit Marcel, ebenfalls Niederländer, der inzwischen sogar hierhergezogen ist. Alle, die vorbeikommen, staunen nicht schlecht, wenn ich erzähle, dass wir schon seit 13 Jahren mit dem Boot unterwegs sind – es sieht alles noch sehr gut aus. Nächste Woche versuche ich mal, die kleine Delle in der Klotür auszubessern!
Ansonsten gibt es noch eine Liste kleinerer Arbeiten, zum Beispiel eine neue Reffleine einziehen, aber bei dem Zeitplan habe ich keine Eile. Herrlich. Allerdings ärgere ich mich immer noch über die Kabola; auch die telefonische Hilfe vom Monteur hat nichts gebracht. Sie funktioniert immer noch nicht. Ich schaue sie mir noch mal an, vielleicht übersehen wir etwas ganz Naheliegendes. Im Winter überlege ich mir dann mal eine Alternative und/oder eine Backup-Lösung. Das Starlink funktioniert weiterhin prima; die Geschwindigkeit war in den letzten Tagen allerdings mies, mal sehen, ob ich herausfinde, woran das liegt… Von den Leuten, die aus der Karibik kommen, hat sicher die Hälfte eins, das kommt richtig gut an.
Diese Woche ist noch etwas Besonderes passiert: Ein Boot kam an, das von einem Schlauchboot der Hafenverwaltung an den Liegeplatz geschoben wurde. Wir halfen mit, denn an Bord standen vier junge Männer, die keinen blassen Schimmer hatten. Sie schienen wirklich überhaupt nichts zu kapieren. Wir fanden das alle ziemlich seltsam. Zwei Tage später erfuhr ich, was dahintersteckte: Das Boot war ohne Crew treibend auf See gefunden worden, von einem Forschungsschiff, ein paar Meilen vor der Küste. Sie hatten es in Schlepp genommen und in den Hafen gebracht. Deshalb konnten sie auch nicht segeln: Es waren Wissenschaftler. Wie sich herausstellte, hatte sich das Boot vor drei Monaten von seinem Liegeplatz auf den Kanarischen Inseln losgerissen, 800 Meilen von hier. Der Eigner war überglücklich, als ihn der Hafenmeister von hier anrief, um ihm mitzuteilen, dass sein Boot mit relativ wenig Schaden sicher hier im Hafen lag!

Arnold kommt am 12. Juli, und dann schauen wir, wohin es geht. Der vage Plan ist, zusammen nach Irland, England oder Frankreich zu segeln. Die Damen können nämlich erst im August, und dann haben wir nur noch ein paar Wochen. Lustig eigentlich: Vor ein paar Jahren musste dafür noch der ganze Urlaub herhalten. Heute finde ich das schon fast unverantwortliche Hetzerei!
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