Nach Hause holpern

· 2022, Noorwegen

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Im Laufe des Wochenendes wurde es schnell klar: Noch zwei Tage Geduld, dann dreht der Wind von Süd auf Nordwest. Das ist eine schöne Richtung, um damit genau nach Süden zu segeln. Am Dienstagmorgen stehen wir um 6 Uhr auf. Kurze Zeit später sind alle Vorbereitungen erledigt und wir können los. Diesmal haben wir vorher schon alles seefest verstaut, denn die Ecke Norwegens, um die wir herummüssen, ist berüchtigt für ihre unruhige See: Dort ist es nämlich nur 20 Meter tief, während die Wellen aus einem Gebiet kommen, das 200 bis 400 Meter tief ist. So eine Abnahme der Wassertiefe sorgt immer für richtig fiese Wellen. Das bestätigt sich auch, es schaukelt ordentlich, und leider lässt das mit dem tieferen Wasser weniger nach, als ich gehofft hatte. Ella fühlt sich dementsprechend nicht so wohl, und auch ich bin froh, dass ich nicht kopfüber unten im Boot herumhantieren muss.

Zum Glück ist ordentlich Fahrt drin, am ersten halben Tag machen wir 120 Meilen in 12 Stunden. Abends, als der Skipper sich gerade ein bisschen ‘ausruht’, lässt der Wind nach und wir laufen nur noch 5 Meilchen. Das war auch in der Vorhersage zu sehen: Plötzlich kommt ein kleiner Rücken mit wenig Wind, und danach dreht es wieder ein bisschen nach Westen. Damit hatte ich schon gerechnet und war deshalb etwas nach Südwesten gesteuert. Nach 3 Stunden unter Motor ist der Wind zurück und wir können, wieder mit dem Wind auf 90 bis 100 Grad, nach Südsüdost direkt Kurs auf Vlieland nehmen. Leider hält sich der Wind nicht hundertprozentig an die Vorhersage, und es wird doch noch etwas höher am Wind als geplant. Nachts gibt’s dann noch ein kleines Malheur: Ich werde von einem niederländischen Fischerboot angefunkt, das mich kurz vorher mit einem Suchscheinwerfer gemustert hat. Guten Abend, mein Herr, kann es sein, dass ich Ihre Navigationslichter nicht sehe? Äh, hoppla, ja – die gehen automatisch an, aber um das im Hafen vorzuführen, hatte ich sie ausgeschaltet und dann vergessen, sie wieder auf Automatik zu stellen. Schnell aufs Knöpfchen gedrückt! Zum Glück war es dort nur 2 Stunden richtig dunkel, und der AIS-Transponder war an, sie haben uns also ganz normal auf ihrem Navigationssystem gesehen. Etwas später segeln wir innerhalb von 2 Stunden von Norwegen über Dänemark nach Deutschland und weiter in die Niederlande. Mitten in der Nordsee gibt es nämlich einen Punkt, an dem die Wirtschaftszonen der fünf Nordseeanrainer zusammentreffen.

Die Grenzen von Norwegen, Dänemark, Deutschland und den Niederlanden rechts, links Großbritannien
Die gesegelte Route…

Am nächsten Abend sind wir gegen 23:30 Uhr an der Ansteuerung des Vliestroom. In den Niederlanden ist es dann schon dunkel – etwas, das wir in Norwegen verlernt haben. Die Route ist verwinkelter, als ich sie in Erinnerung habe, und bei ordentlich Wind und damit Wellen ist es gar nicht so einfach, die Tonnen des Fahrwassers klar auszumachen. Schon gar nicht, weil wir in die zweite Nacht gehen und selbst nicht mehr ganz so fit sind. Wir gehen kein Risiko ein und bergen das Großsegel vor Vlieland, um danach mit dem Strom die schmale Rinne bei Vlieland zu nehmen. Unterhalb des Hafens gehen wir in der Vlielanderbalg vor Anker. Um 1 Uhr nachts fällt der Anker. Keine Lust auf Theater, also 20 m Kette auf 3 m Wassertiefe. Herrlich, wie die Ruhe zurückkehrt und wie gut man dann schläft!

Am nächsten Tag sind wir wieder komplett erholt und können es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Eine schöne Dusche und los geht’s! Das Wattenmeer ist tagsüber wieder vertrautes Terrain, und wir sind eine der wenigen Yachten, die mit Volldampf unterwegs sind. Schnell durch die Schleuse, wo wir noch Tjalling auf seiner Bornrif treffen. Und dann schnell nach Hause!

Wie Marion schon per WhatsApp schreibt:

Zuhause ist, wo deine Jacke hängt wo du von woanders träumst wo du weg willst, das ist Zuhause Zuhause ist dieses Elend, nach dem du dich immer wieder zurücksehnst wann geht’s denn endlich los wann fahren wir wieder nach Hause

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