Stavanger und Umgebung
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Nach 2 Tagen an der kostenlosen Mooring des Königlich Norwegischen Bootsverbands in Uskjo wurde es Zeit, mal wieder unter Leute zu kommen, außerdem waren wir auch ziemlich neugierig auf Stavanger. Dafür mussten wir einen ordentlichen Umweg fahren, weil die Brücke an der Ostseite von Stavanger nur 24 Meter Durchfahrtshöhe hat, und das schaffen wir nicht. Der Vorteil: Wir bekommen die Umgebung zu sehen. Wir fahren an netten (Yacht-)Häfen für die Einheimischen und blitzsauberen Vororten vorbei. Das (Öl-)Geld springt einem förmlich ins Auge. Von Osten aus sehen wir die Altstadt von Stavanger gar nicht, denn davor liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff.

Beim Einlaufen sehen wir an Backbord zuerst eine deutsche Fregatte, die Rheinland-Pfalz, der wir im Laufe der Woche noch ein paarmal begegnen. Dann taucht ein riesiges Kreuzfahrtschiff auf und drumherum die Stadt. Nur im Yachthafen direkt im Zentrum ist noch Platz für uns. Eine Boreal 47 legt gerade ab und überlässt uns einen prima Platz an einem Schwimmsteg.

Es ist warm, sonnig und angenehm belebt um uns herum. Wir gehen herrlich in einem der vielen Restaurants rund um den Hafen zu Mittag essen. Danach bummeln wir ein bisschen herum, aber obwohl die Stadt voller englischer Kreuzfahrtgäste ist, haben die meisten Geschäfte zu. Wir kommen am Ölmuseum vorbei, und es sieht nicht allzu voll aus. Nur eine Busladung Niederländer läuft dort herum. Es ist ein nettes Museum, mit einem kinoreifen Kurzfilm über die Auswirkungen auf Familien und viel Technik, aber auch dem Einfluss auf Natur und Gesellschaft.

Erst in den Neunzigern kamen sie auf die Idee, die Gewinne in eine Art Pensionsfonds für Norwegen einzuzahlen, der inzwischen 1,4 % aller Aktien weltweit besitzt. 2020 haben sie wegen COVID mal eben 40 Milliarden Euro rausgenommen, aber das geht locker, denn der Wert liegt irgendwo nördlich von 1000 Milliarden Euro…. Besser gemacht als wir mit unserem Gas! Später am Nachmittag laden sich die deutschen Nachbarn vor uns, von einem leichten Trimaran, selbst ein, um sich das Boot anzuschauen. Da wissen wir ja jetzt, dass wir was Besonderes sind.
Außerdem stellt sich heraus, dass die Kreuzfahrer die Etikette von Yachthäfen nicht so recht beherrschen: Jede Stunde laufen ein paar von ihnen über den Steg an unserem Boot vorbei. Fühlt sich an wie ein Eingriff in die Privatsphäre. Am nächsten Morgen stehe ich gemütlich mit nacktem Oberkörper drinnen und genieße meinen Kaffee, als wieder eine ganze Gruppe vorbeiparadiert. Ich kann mir gerade noch verkneifen, mich dann eben halbnackt draußen ins Cockpit zu setzen. Später zum Supermarkt, und unterwegs im Helly-Hansen-Laden ein paar kurze Hosen und ein Poloshirt abgestaubt. Drei zum Preis von zwei, und die 25 % Mehrwertsteuer bekomme ich auch noch zurück. Im Supermarkt dann wieder der übliche Preisschock. 5 Euro für 6 Äpfel, so in der Art. Und 2,70 € für eine Dose Heineken. Zum Glück haben wir noch genug Brouwdok- und Orkney-Bier an Bord.

Wir waren online schon vorgewarnt worden, aber am Mittwoch beginnt rund um den Hafen ein Ess- und Trinkfestival mit Ständen. Also sind wir Dienstagnachmittag schon beim Ablegen und hängen nur noch an einer Leine an Land, als sich endlich die Hafenverwaltung meldet und fragt, wann wir denn ablegen! Na, jetzt! Möchten Sie vielleicht noch ein Eis? Ein merkwürdiges Gespräch. Übrigens ist es, wie an vielen Orten in Norwegen, zu viel Aufwand, das Hafengeld selbst zu kassieren, also wird das an eine App auf deinem Handy ausgelagert. Seltsam. In den Niederlanden würde das nicht funktionieren, da würde keiner bezahlen. Hier ist man manchmal auch versucht. Ein anderes deutsches Boot beschwert sich beim Hafenmeister, dass es viel zahlen muss, aber nichts dafür bekommt. Wo sind die Duschen, Toiletten usw.? Im anderen Hafen, mein Herr, sind nur 10 Minuten zu Fuß…
Wir segeln an diesem Tag nach Skudesneshavn; ich hatte online gelesen, dass man dort gut tanken kann und dass es so ein nettes Örtchen ist. Nach einem herrlichen Törn nur unter Fock, bei schönem Wetter und wieder halbem Wind, und einem kurzen Gruß an die Rheinland-Pfalz, die energiesparend fast still mitten im Fahrwasser liegt, kommen wir in einem wirklich entzückenden Örtchen an. Das Hafenbecken für Gäste ist allerdings etwas kleiner als gedacht, und die Hälfte der Kais ist „Privat“… Aber andere Skipper und jemand vom Segelverein finden, dass ich mich ruhig noch auf ein Plätzchen legen kann, wo wir zwar 3 Beiboote ein bisschen blockieren, aber die müssen ja erst Freitag raus. Herrlich, mal wieder unter Seglern zu sein, ohne Kreuzfahrer. Es folgen nette Gespräche mit einem Engländer und einem Norweger. Abends essen wir gut im einzigen Restaurant, das über Imbissbuden-Niveau hinauskommt. Ella bekommt statt des bestellten Seeteufels den Stockfisch, und der ist ziemlich salzig. Aber das IPA der örtlichen Brauerei ist echt super. Leider ist das nächste eine andere Sorte und deutlich schwächer. Danach schlendern wir durch die alte Hauptstraße, und die ist wirklich etwas ganz Besonderes: Die Häuser wurden vor Hunderten von Jahren kreuz und quer hingestellt, und die schmale Gasse schlängelt sich drumherum. Alles wieder tipptopp gestrichen und sehr niedlich. Wir steigen hoch zum Aussichtspunkt; die Häuser stehen dicht unter dem Felsen, und mit einer falschen Bewegung kannst du glatt in jemandes Garten oder auf sein Dach fallen. Wir denken daran, wie anders das im UK ist, wo alles von „Health and Safety“ durchdrungen scheint, mit Leuten in Warnwesten und -jacken, Schildern und Absperrgittern. Davon ist man hier in Norwegen zum Glück noch verschont.

Da auch hier am 1. Juli schon wieder ein Festival anfängt, verholen wir uns am nächsten Morgen wieder. Erst günstig tanken (423 L für 1,78 € pro Liter) an der Fischer-Tankstelle, die viel Umsatz hat und daher sehr sauberen, frischen Diesel, und dann wieder zu einem Ankerplätzchen. Im Havneguiden sieht die Lagune auf Talgje sehr nett aus, aber dort angekommen ist die Einfahrt doch etwas zu schmal für uns. Zum Glück wartet auf der anderen Seite der Rinne eine nagelneue KNBF-Mooring bei Talgjeholmen auf uns. Hier bleiben wir wieder zwei Tage und Nächte. Niemand zu sehen, keine Häuser in Sicht, kein Geräusch außer ein paarmal am Tag ein Motorboot in der Durchfahrt zwischen den Inseln und einmal am Tag die Leute, die auf der anderen Seite der Insel mit einem Motorboot am Felsen festgemacht haben. Himmlisch! Das Wetter ist jetzt am allerschönsten, mit 24 Grad, strahlend blauem Himmel und wenig Wind. Ella geht sogar kurz schwimmen; die Zahl der Quallen hat etwas abgenommen, und mit Taucherbrille kannst du gut um sie herumschwimmen. Das Wasser ist allerdings noch etwas frisch…
Am nächsten Morgen ist immer noch kein Wind, aber wir wollen, wenn es irgendwie geht, noch nach Südnorwegen, bevor wir nächste Woche wieder nach Hause fahren. Also unter Motor Richtung Egersund. Das klappt gut, bis wir das Kap an der Westküste passieren und der Wind statt der erwarteten 15 Knoten eher 25 bis 30 hat. Das noch 6 Stunden? Nein danke, wir drehen lieber wieder um. Wir laufen Tananger an, ein völlig uninteressantes Industriestädtchen, das aber günstig liegt und einen sehr geschützten Hafen hat. Wegen Platzmangel gehen wir bei einem niederländischen Boot längsseits, der Jantine, einer Koopmans 46. Eigentlich DIE Koopmans, denn sie gehörte einst Dick Senior. Es wurde noch ein geselliger Abend, so gesellig, dass wir die Eigner einladen, am nächsten Tag bei uns zu essen. Es ist immer wieder verblüffend, wie viel man dank des Segelns gemeinsam hat, aber auch, wie verschieden Menschen sind und wie viel man voneinander lernen kann. Der Weinvorrat ist jedenfalls wieder deutlich geschrumpft.
Morgen Nachmittag versuchen wir es eventuell noch mal mit Egersund, sonst wird es Montag oder Dienstag, und dann vielleicht direkt weiter in die Niederlande. Mal sehen….
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