Westray, Orkney
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Letzten Dienstag brauchten wir nach der Metropole Kirkwall und all den Steinen dann doch mal etwas anderes. Also Segel hoch und ab Richtung “Northern Isles”. Nach einem Ankerversuch in der Fersness Bay (zu viel Schwell) sind wir dann eben an eine Mooring in einer Bucht zwischen Eday und Calf of Eday gegangen.

Ein traumhafter Ort, vier Häuser an Land, schön raus aus der (gewaltigen) Strömung und herrlich ruhig. Hier haben wir zwei Nächte gelegen und sind wegen des inzwischen sehr “schottischen” Wetters mit Regen, Wolken und Kälte (11 Grad) lieber nicht an Land gegangen. Mehr als durch den Regen spazieren kann man da sowieso nicht.
Dann fing es, auch dank ein paar Nachrichten mit Anje, an zu kribbeln, und wir sind nach Westray gefahren, der “am dichtesten besiedelten” der nördlichen Inseln. Schnell per Telefon Kontakt mit dem “echten” Hafenmeister von Pierowall aufgenommen (also nicht dem Hafenmeister der Marina). Uns war der Hafen zu voll, also haben wir direkt vor dem Dorf geankert. Schreibt uns Hafenmeister Tom: Wink mal zurück! Wir lagen nämlich genau vor seinem Haus…
Tom meinte, wir könnten später ruhig reinkommen, aber das war wohl etwas zu optimistisch, denn die eigentlichen Marina-Leute hatten eine Reservierung für ein englisches Boot. Na ja, kein Problem, am nächsten Tag war dann doch noch Platz in der Herberge. Das war auch ganz gut so, denn am Wochenende sollte es ordentlich blasen, so um die 30 kn mit Böen von 35–40. Witzig, wie etwas, womit man vor dem Wind wunderbar segelt, im Hafen einen ganz schön durchpustet!
Mit Ella sind wir ins eine Meile entfernte Dorf getippelt. Dort haben wir in einer knappen Stunde praktisch alle Läden, Boutiquen, Restaurants, Cafés, Museen usw. abgeklappert. Sprich: die zwei Dorfläden angeschaut, das kleine Café im typisch britischen Holzstil, das Museumchen und das Hotel/Restaurant, ebenfalls noch im Stil der 70er. Nur in die Kunstgalerie haben wir bloß kurz durchs Schaufenster geschaut. Später stellte sich heraus, dass es noch einen Fischladen im Container gibt, noch eine Meile weiter.


Im Museum hat Ella mich zum Glück auf den wichtigsten Fund der Insel aufmerksam gemacht, die “Westray Wife”. Das ist das einzige hier gefundene Artefakt, auf dem ein Mensch dargestellt ist. Die Dame ist gerade mal etwa 3 Zentimeter groß, kein Wunder also, dass ich fast an ihr vorbeigelaufen wäre.

Ansonsten war im Hafen ganz schön was los mit Seglern: neben uns noch zwei englische Boote (El Contenta und Kealoha V) und ein deutsches (Selkie). Mit der Kealoha V wurde es noch ein sehr geselliger Freitagabend… Heute Morgen sind die Letzten ausgelaufen, und jetzt liegen wir allein zwischen Arbeitsbooten und Fischern, die sich sofort wieder ihre Lieblingsplätze geschnappt haben, auf denen vorher die Yachten lagen. Ups, gerade läuft ein niederländisches Boot (Miura) ein, das uns schon in Amble begegnet ist.

Die Hafenmeister (Tom für das Ganze und Jacob für die Marina) können sich über das Fiasko “neue Fähre” gar nicht mehr einkriegen. Da macht Doeksen bei uns zu Hause seine Sache ja gar nicht so schlecht. Hier hat der Council (Gemeinderat) in Kirkwall in Norwegen eine neue Fähre ausgesucht, die viel zu rank ist und sich schlecht manövrieren lässt. Die ersten Tage war sie noch in der Reparatur, am Sonntag war sie zwar da, aber es wehte zu stark, und gestern und heute hatten wir keine Lust, mit nach Papay zu fahren. Sorry, wir können nicht alles sehen, dafür können wir jetzt zuschauen, wie die Crew mit dem Ding herumwurschtelt. Tatsächlich ein viel zu großer Brocken, 22 m, sieht schnittig aus und ist auch ziemlich flott unterwegs, aber schon bei einem Hauch Gas taucht sie – bamm – vorne ein.
Übrigens, kurz zu all den Inselnamen hier. Die enden meistens auf “ay”, Altnordisch für Insel. Daher kommen auch das “øy” im modernen Norwegisch und das “ø” im Dänischen. Hier spricht man das aber offenbar als “i”, “eh” oder “e” aus. Welche Aussprache zu welcher Insel gehört, muss man einfach lernen. Und “Papa Westray” spricht man also aus wie “Pappi”. Das a, w, e, s, t und r lassen sie einfach weg…



Morgen geht es weiter nach Norden. Wir schauen mal, ob wir auf Fair Isle unterkommen, und sonst fahren wir direkt durch nach Shetland. Angesagt ist wenig Wind, also schauen wir mal.
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