Mainland, Orkney

· 2022, UK

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Am Samstag konnten wir dann endlich das Auto bei J D Peace abholen. Vier Flaschen Brouwdok abgegeben, aber da war so viel Personal und eben nicht der eine Herr, dem wir die versprochen hatten. Mietwagen sind überall knapp, also konnten wir zwar ein Auto von Samstagmittag halb zwei bis Montag halb fünf mitnehmen, aber dann zahlst du eben 3 Tage… Logisch, oder?? Na ja, wir hatten jedenfalls ein Auto, als einige der wenigen (zumindest als einzige Segler im Hafen). Ich muss sagen, prima Kiste, VW Golf TDI, 45.000 Meilen gelaufen, aber wirklich blitzsauber.

J D Peace Autovermietung
Die Autovermietung, besser als sie aussah.

Inzwischen klüger geworden, mal kurz auf ein paar Websites geschaut, und tatsächlich: Heutzutage kannst du nicht mehr einfach so zu Ausgrabungen fahren – du musst vorher ein Ticket kaufen. Vielleicht wäre es vor Ort halb so wild gewesen, aber wir hatten jedenfalls Tickets für Skara Brae am Sonntagmorgen um 10 Uhr. Am Samstag zu einem Grabhügel im Südosten gefahren, aber vor Ort stellte sich heraus, dass der eine dauerhaft geschlossen und der andere nur unter der Woche geöffnet ist. Genau wie das kleine Café daneben, das wegen der spektakulären Aussicht empfohlen wurde. Und das steht nicht etwa am Anfang des Feldwegs, nein, auf halber Strecke. Danach wurden die Schilder allerdings mehr: nicht weiterfahren, hier wenden, wir haben zu. Ach ja, irgendwie hat das ja auch Charme. Danach haben wir im allerliebsten, aber winzigen St. Mary’s Hope zu Mittag gegessen (netter Name übrigens), bei Tesco Proviant gebunkert und nach einem schnellen Happen ab ins “Viertelkino” in Stromness. Das war reiner Zufall, denn es hatte zum ersten Mal nach Corona wieder geöffnet und ist nur alle 14 Tage offen (im Sommer, dann ist es oft…). Weil es in einer ehemaligen Kirche war, waren wir gespannt, ob wir noch was für das Midlumerlaankerkbios lernen konnten. Es war sehr lustig: runde Tische, um die man herumsaß, und jeder breitete seine mitgebrachten Getränke und Snacks aus. Wir hatten keine Chips dabei, weil das so knistert, aber das sah nicht jeder so eng. Toller Film übrigens, “Der Rausch” oder auf Dänisch “Krug”. Siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Another_Round_(film)

Blick über Scapa Flow, einst der größte Marinestützpunkt der Welt
Skara Brae, nachgebautes Interieur, wie es vor 5000 Jahren aussah
Skara Brae, was heute (im besterhaltenen echten Raum) noch davon übrig ist

Am Sonntag also nach Skara Brae, ein Dörfchen aus dem Jahr 3100 vor Christus. Im Laden kam Ella mit der Verkäuferin ins Gespräch, die erklärte, dass es noch mehr Grabhügel gibt als die, die geschlossen oder ausgebucht sind (Maes Howe), nämlich Cuween. Über die 2 Brauereien – eine kommerzielle mit Restaurant, die andere auf einem Bauernhof ohne Besichtigungsmöglichkeit – fuhren wir in den Nordwesten, wo wir gewandert sind. Auf die kleine Insel kamen wir wegen Hochwasser nicht rüber.

Seehunde fallen auch hier gerne trocken
Brough of Birsay bei Hochwasser nicht erreichbar
Der Sandstein liegt hier einfach so herum

Über die Nordseite zu einem “Broch”, einem runden Steinturm aus der Eisenzeit, vermutlich ein paar hundert Jahre vor Christus gebaut. Danach noch, schon auf dem Zahnfleisch, zu den Stones of Stenness und dem Ring of Brodgar.

Broch of Gurness, aus der Eisenzeit
Stones of Stenness (ich imitiere hier Arnold vor 11 Jahren)

Zurück im Hafen hatte ich einen ernsten Fall von Steine-Überdosis; Cuween konnte bis morgen warten. Beim Philosophieren kamen Ella und ich darauf, dass es solche Häuser, Dörfchen und Monumente vielleicht auch in Drenthe und Umgebung gegeben hätte, wenn sie nur aus Stein gewesen wären. Holz und Textil vergehen einfach. So sind uns in den Niederlanden nur die Hünengräber geblieben.

Im Grabhügel von Cuween

Am letzten Tag mit Auto dann doch noch nach Cuween. Sehr interessant: Du gehst einfach rein, wenn dir die vorherige Gruppe die Taschenlampe in die Hand drückt, und wenn du fertig bist und niemand da ist, legst du die Lampe in das dafür vorgesehene Kästchen. Es war schon ein bisschen gruselig, in einem Grabhügel zu sitzen. Vielleicht 1,5 mal 2 Meter, mit ein paar Seitenkämmerchen. Die Menschen damals hatten nämlich die Angewohnheit, neue Knochen einfach zu denen der Vorgänger zu legen. Irgendwann vor ein paar tausend Jahren hat sich diese soziale Sitte geändert, und man fing an, die Leute einzeln zu begraben. Die findet man deshalb nicht mehr.

Deer Sound mit marodem Steg

Wir haben den Autotag mit einem Abstecher an die Ostseite abgerundet, wo wir in der ersten Nacht geankert hatten. Von Land aus sieht alles ganz anders aus. Der kleine Steg, in dessen Nähe wir eventuell hätten ankern können, entpuppte sich als niedliche, verlassene und heruntergekommene Angelegenheit, mit 2 Bauernhöfen und sonst nichts. Dafür richtig, richtig gut zu Mittag gegessen, an einem Ort, an dem dem Anschein nach zu 99 % Einheimische verkehren. Überhaupt waren Essen und Trinken besser als erwartet, klar, das meiste ist fettig. Aber wir haben einmal schlecht (der Kebab), einmal mittelmäßig (der Chinese) und ansonsten prima bis gut gegessen (der American Diner, der hippe Laden “21”, der Pub “Helgi’s”). Und überall konnten wir die lokalen Biere trinken. Irgendwann ist bei uns allerdings der Groschen gefallen: Viele Brauereien hier verwenden nur ein bestimmtes englisches Malz, und deshalb schmecken sie alle ein bisschen gleich. Auch unfiltriert ist hier nicht üblich, nicht mal bei den kleinen Brauern. Und natürlich nicht zu viel Alkohol, aber das passt auch: Die 8-%-Biere sind alle sehr “schwer” und nicht süffig. Ein Vlaams Paard ist hier wirklich ein No-Go…

Bier von der lokalen Bauernhof-Brauerei

Um dir eine Vorstellung von der (Wasser-)Temperatur zu geben: Wir holen die Flaschen einfach direkt aus der Bilge, dann haben sie die ideale Trinktemperatur.

Inzwischen war es Zeit für etwas Wartung, wir hatten Wasser in der Bilge. Diesmal stellte sich heraus, dass einer der Filter des Trinkwassertanks leckte, und nach 2 Wochen lag also der ganze Tank (200 l) in der Bilge. Zum Glück hatte ich mir letztes Jahr in Horta eine “mobile Pumpe” bauen lassen (immer in die lokalen Unternehmer investieren, dann bleiben sie…), die jetzt wieder gute Dienste leistete, um das erste Wasser abzupumpen. Und auf Aruba hatte ich schon wunderschöne neue 10"-Wasserfilter mit einem Knopf oben zum Absperren gekauft, damit man auch bei Druck auf der Leitung den Filter leicht wechseln kann. Zeit, die einzubauen! Nach ein paar Stunden Gefummel zeigte sich, dass ich doch ein seltsames Zwischenstück hatte, also darf das eine jetzt nicht mehr gelöst werden, denn durch das Eindrehen habe ich ein “neues Gewinde” in den ziemlich weichen Kunststoff geschnitten. Mal sehen, ob wir diese amerikanischen Filter auch in den Niederlanden bestellen können… Ach ja, und hinterher auch nicht den Hahn offen lassen, mit dem man den Trinkwassertank per elektrischer Pumpe leert, sonst hebert der Trinkwassertank in den Brauchwassertank über. Jetzt trinken wir eben aus dem Brauchwassertank, aber mit unserer Enthärtungsanlage ist das Wasser prima – das Chlor im gebunkerten Wasser schmeckst du nicht mal.

Übrigens hatten wir für hiesige Verhältnisse prima Wetter. Ein lokaler Bootseigner fand es sogar an der Zeit, sich mit nacktem Oberkörper in die Sonne zu legen (bei 15 Grad, aber mit etwas Sonne).

Jetzt auf zu den Northern Isles…

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