Sinti Aruba, Bon Bini Bonaire
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Nach 4 Monaten endlich mal wieder von einer Insel zur nächsten gesegelt. Am Montagabend zeichnete sich ab, dass der Wind die ganze Woche über schwächer sein würde. Auf den Inseln unter dem Winde weht es nämlich immer aus Osten, außer wenn weiter weg in der Karibik ein Hurrikan vorbeizieht. Außerhalb der Hurrikansaison gibt es also garantiert zu 100 % immer Ostwind, und bei 25 Knoten ist es kein Spaß, dagegen anzubolzen. Außerdem setzt auch noch ein konstanter westgehender Strom von 1–2 Knoten. In normalen Zeiten kommt es deshalb so gut wie nie vor, dass Segler von Aruba nach Bonaire fahren, aber normale Jahre sind das ja gerade nicht.
Im November hatte ich sowieso noch gedacht, dass sich vielleicht eine einigermaßen normale Saison daraus machen ließe, und hatte vor allem die Turks- und Caicosinseln und die Bahamas im Visier. Dort ist es nämlich auf der Westseite der Inseln, wo du wegen des Windes liegen willst, flach bis sehr flach. Das hätte bedeutet, dass wir endlich mal wieder irgendwo allein hätten liegen können. Weil Marion nur für ein paar Wochen kommen würde, hätte ich den Rest mit Crew aufgefüllt. Aber damit Crew kommt, muss es für sie auch attraktiv sein, und zu den meisten Bahamas-Inseln kannst du nur über die USA fliegen (ist nur eine halbe Stunde ab Miami oder Fort Lauderdale), und das ist für Niederländer momentan überhaupt nicht attraktiv, denn dann musst du dich vorher 2 Wochen irgendwo außerhalb der EU aufhalten, zum Beispiel auf Aruba. Außerdem hat die niederländische Regierung das Reisen mit Reiseverboten, Testpflichten und Reisewarnungen ziemlich vermiest. Deshalb also weiterhin ABC-Inseln – die wird die KLM wohl noch ziemlich lange anfliegen, so unsere Einschätzung.
Aber gut, erst mal, was seit dem 21. Dezember so alles passiert ist. Das Blog-Aktualisieren war mir ein bisschen vom Radar gerutscht.
Am 22. sind Arnold und ich mit dem Boot nach Palm Beach umgezogen. Das ist die Gegend mit den Hochhaushotels voller Amerikaner. Sehr touristisch, mit Leuten, die Paragliding-Ausflüge buchen oder Fahrten auf einer „Banane“ hinter einem Speedboot, oder einen „romantischen“ Segeltörn auf einem Boot mit einer winzigen Fock und sehr, sehr viel Alkohol. Echt witzig, mal in so einer Umgebung zu liegen! Abends ganz lässig mit dem Dinghy 200 m zur MooMba Beach Bar, und dann beiläufig vom Dinghy auf die Terrasse schlendern. Nicht nur cool, wenn du 22 bist! Leider hatte ich am nächsten Tag die Eingebung, den Kiel ein klein wenig abzusenken, um ruhiger zu liegen, und der Schlauch zum Steuerbordruder beschloss, dass genau das der richtige Moment zum Platzen war. 20 Liter Hydrauliköl in der Backskiste und der Kiel, der auf den Grund bumst. Ups! Schnell Arnold an Land geschickt, ich telefoniere herum und sage dir, wo du Öl kaufen kannst. Leider war gerade Ladenschluss, aber Rishi von Varadero Aruba reagiert trotzdem noch: ja klar, fahr einfach zur Werft, und da steht dann Mundo, der Nachtwächter und Mädchen für alles, mit einem großen Kanister mit 5 Gallonen Öl bereit. Zwar etwas zu dickflüssig, aber egal. Danach mühsam Liter für Liter wieder ins System gekippt, Ruder abgekoppelt, und zum Glück: Der Kiel kommt wieder hoch. In den Tagen danach haben wir mal wieder gemerkt, wie anders und umständlich manche Dinge auf so einer Insel laufen. Es gibt zwar eine Firma, die Hydraulikschlauch hat und Armaturen verpressen kann, aber unsere Armaturen haben sie nicht. Also … dann eben neuer Schlauch an die alten Armaturen. Die Schläuche wieder montiert und, hurra, auch die Ruder gehen wieder rauf und runter. Im Nachhinein hatte es schon alle möglichen Anzeichen gegeben, dass das kommen würde, aber ich hatte sie übersehen; jetzt weiß ich es besser.
Nach ein paar ruhigen und gemütlichen Weihnachtstagen mit Arnold flog er am 28. zurück und sollte also am 29. in den Niederlanden ankommen – dem Tag, ab dem man bei der Einreise einen PCR-Test brauchte, außer man kam aus dem karibischen Teil des Königreichs. Wir fanden also, dass er keinen Test brauchte, und die Fluggesellschaft Copa Airlines, mit der er zum Umsteigeflughafen Panama flog, fand das auch, aber die KLM in Panama sah das anders … Ja, mein Herr, dann besorgen Sie sich halt selbst einen Test. Nur durfte er den Flughafen eigentlich nicht verlassen, denn Panama wollte für die Einreise ebenfalls einen PCR-Test. Catch 22, oder wie heißt noch mal der Film, in dem einer monatelang am Flughafen schläft? Zum Glück hat Copa das hervorragend gelöst: 3 Tage in einem 5-Sterne-Hotel mit Essen und Trinken bezahlt, er und die 3 anderen mit demselben Problem mussten nur den PCR-Test selbst bezahlen. Am 31. saß er dann zum 2. Mal in Folge in einer halb leeren Maschine zurück in die Niederlande! Na ja, wieder ein ganzes Abenteuer.




In der Zwischenzeit war ich immer mehr mit den 2 deutschen Booten unterwegs, Baradal (Uli und Martina) und Intrepid Bear (Stefan und Astrid). Wir wurden, echt superlieb, ein paarmal alle zusammen von Ingolf und Enrita eingeladen. Ingolf leitet das örtliche Betonwerk, und Enrita, gebürtige Arubanerin, gibt Kreativ-mit-Keramik-Kurse für Arubaner und Touristen. Aber immer rechtzeitig wieder nach Hause, denn die Ausgangssperre hieß: um 11 Uhr daheim sein.

Am 2. Januar kam Marion aus den nasskalten Niederlanden eingeflogen. 30 kg im Koffer, davon über 20 kg Bootskram wie ein neuer Turbolader für den Motor. Die Maschine war überraschend voll, ungefähr zur Hälfte. Wir haben zusammen die Natursehenswürdigkeiten von Aruba erkundet, zum Beispiel mit einer Wanderung frühmorgens zur Nordostküste, den Nationalpark Arikok, Fischchen, die an deinen Füßen knabbern, und Felsformationen mit herrlicher Aussicht. Was überall auffällt, ist die Freundlichkeit und der angenehme Umgangston der Arubaner. Die Natur ist eine Art Halbwüste mit vielen Kakteen und anderen Pflanzen, die die Trockenperioden, die jahrelang anhalten können, überstehen. Dieses Jahr war davon absolut keine Rede: Es regnete und regnete, jede Woche mindestens einen Tag oder mehr. Eigentlich fand ich das ganz schön, du siehst, wie die Natur geradezu explodiert, um den vorübergehenden Wasserüberschuss zu nutzen, also überall Blümchen. Außerdem ist es etwas kühler, vor allem direkt nach dem Schauer, und das Boot ist schön sauber.




Eines Nachmittags sind Uli und ich mit dem Zylinder vom Hoyt-Baum und den neuen Dichtungen, die Marion mitgebracht hatte, zu Ingolfs Firma gefahren. Groß war die Spannung, als der Zylinder aufging: Würden es wirklich nur die Dichtungen sein, und könnten wir den Zylinder reparieren? Ohne diesen Zylinder funktioniert die Fock deutlich schlechter, und wir müssten ihn durch allerlei Hilfsleinen ersetzen. Nach einer halben Stunde war er offen, und tatsächlich: beschädigte Dichtungen. Noch ein paar Stunden Gefummel, und das Ding war wieder zusammengebaut. Zum Glück! Ingolf wollte nichts dafür haben, und die Männer, die die Arbeit gemacht hatten, auch nicht. Was für ein Land! Leider war es damit noch nicht getan, denn ich musste auch noch Druckluft organisieren, um sie in den einfachwirkenden Zylinder zu pressen. Nach einigem Tüfteln stellte sich heraus, dass die 6 bis 8 bar eines Kompressors bei Weitem nicht reichten. Zum Glück hatte ich noch das Mini-Tauchset an Bord. Nach noch ein paar Besuchen beim Hydraulikmann, der immer mehr Teile vom Tauchset umbaute, und beim Baumarkt für 1/2"-Füllnippel und nach vorsichtigem Erhöhen des Drucks passte es bei 30 bar endlich: Der Zylinder fährt hoch, aber nicht zu heftig, und der Druck ist nicht zu hoch gestiegen, sodass genug Reserve bleibt, um den Baum beim Segeln nach unten zu drücken. Hurra!


Mit Jeroen und Jeannette von der Fidelis wurde auch noch Golf gespielt. Ich habe es auch versucht, aber schon am 1. Loch war klar, dass ich den ganzen Betrieb zu sehr aufhalten würde, also habe ich mich selbst zum Caddy befördert. Na ja, also mit so einem Elektrowägelchen herumdüsen. Ein wunderschöner Golfplatz an einem wunderschönen Ort. Marion hat hier ziemlich viel gespielt – auf jeden Fall mehr als in den Niederlanden, wo alles dicht war! Außerdem haben wir mit der Fidelis und der Pitou einen wirklich fantastischen Sonntagsbrunch in einem der Luxushotels gemacht. Offenbar haben die sonntags nicht so viel zu tun, denn es war nicht teuer – Festpreis, 4 Gänge mit Pseudo-Champagner und Kaffee für 75 USD pro Paar …
Die Bootsarbeiten waren noch (lange) nicht vorbei: Die Hydraulik war zwar wieder in Ordnung und der Turbo, den Marion mitgebracht hatte, schnell montiert, aber bei einer Probefahrt stellte sich heraus, dass wir Probleme mit den Segellatten und dem Großsegel hatten, also wieder Marisol über Varadero eingeschaltet. Marisol ist die Einzige auf der Insel mit einer Industrienähmaschine, die für Segeltuch taugt, und sie kann ziemlich viel, aber Terminplanung ist eindeutig nicht ihre Stärke. Inzwischen verstrichen die Wochen, und es sah so aus, als würden wir es zusammen nicht mehr nach Bonaire schaffen. Irgendwann haben wir dann eben entschieden, dass wir noch etwas auf Aruba bleiben – keine Strafe. Nach sechs Wochen, die nur so verflogen sind, ist Marion wieder in den blauen Vogel gestiegen, um im Mai zurückzukommen.
Mittlerweile hatte ich das Großsegel endlich zurück, und Stefan und Uli haben geholfen, es wieder anzuschlagen. Jetzt haben wir auch herausgefunden, warum die Segellatten von der Werft geklebt werden mussten: Einige Receptacles (das Aluteil an der Vorderkante des Segels, in dem die Segellatte sitzt) konnten sich nicht richtig drehen. Also die entweder in der richtigen Stellung fixiert oder wieder gängig gemacht. Leider ist dabei eines kaputtgegangen, das muss also noch ersetzt werden.
Bis in den Mittag wurde gearbeitet, nachmittags eine Bootsarbeit, und dann war es schon wieder Abend, und das hieß fast jeden Abend Geselligkeit auf irgendeinem Boot. Echt schlimm. Zum Glück hat sogar Uli den Green Flash gesehen.
Und so ging der Februar vorbei, und plötzlich war März. Zum ersten Mal seit Monaten änderte sich der Wind: 15 Knoten aus Ost statt der üblichen 20–25. Also wurden auf 4 Booten auf einmal in Windeseile alle möglichen Dinge beschleunigt, gelöst, erledigt usw., um noch nach Bonaire zu fahren, bevor es wieder richtig blies. Ingolf, der vor langer Zeit im Mittelmeer Charterboote geskippert hat, wollte gern mit. Das war für mich super, denn dann musste ich nicht allein fahren. Am Mittwoch ein PCR-Test und Abschied von allen, die wir zurückließen, am Donnerstag zu Zoll und Immigration, und dann einfach los! Leider brach 6 Stunden nach dem Start das Kopfbrett vom Großsegel. Das Kopfbrett ist mit Gurtbändern am Großsegel befestigt – treue Leser wissen, dass wir schon 2015 Probleme mit den Gurtbändern der Fock hatten, also war ich nicht völlig überrascht. Jetzt also nicht mehr, aber zum Glück lässt sich das auf Bonaire gut reparieren.

Nach der Ankunft, bei der uns Luuke und Robbert von der Eight die Muringleinen angereicht haben – eine Muring, die sie heimlich mit einem Fender für uns reserviert hatten –, schnell zu Zoll und Immigration. Überhaupt kein Problem, willkommen auf Bonaire. Leider musste ich Ingolf kurz zurücklassen, denn auf der Eight hatten Luuke und Robbert einen großen Empfang für die Fidelis und mich geplant. Supergesellig! Viele Flaschen Weißwein später bin ich irgendwie wieder nach Hause gefahren, wo Ingolf mir wieder an Bord geholfen hat.
Heute haben Ingolf und ich Uli mal eben in den Mast gehievt, um das Kopfbrett herunterzuholen, gleich kommen Stefan und Astrid zum Essen, und morgen sind wir auf der Eight eingeladen. Ihr seht, es ist hier echt eine Qual …

So, ich lasse es mal dabei, ich suche noch ein paar schreckliche Fotos von geselligen Aktivitäten raus!

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