Letzte Woche Martinique und Îles des Saintes

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Tja, das Päckchen. Inzwischen sind drei Wochen vergangen, bis ich wieder zum Schreiben komme, und ich lese erst mal nach, wo wir stehen geblieben waren. Damals klang alles ganz einfach. Es war Donnerstag, als wir nach Le Lamentin fuhren. Man wollte uns anrufen, sobald alles geregelt war und wir tatsächlich zum DHL-Büro kommen konnten. Das war dann Freitag um halb vier, und das Büro machte um vier zu. Vor dem Wochenende wurde das also nichts mehr. Wir holen den Anker auf, fahren Richtung Hafen, wo wir schon mal waren, und lassen dort den Anker fallen. Wenn wir schon noch ein Wochenende haben, mieten wir uns ein Auto und erledigen noch ein paar Einkäufe. Abends gehen wir ins Restaurant am Hafen, um eine Kleinigkeit zu essen. Vorher, beim Sundowner auf der Terrasse, kommen wir mit John ins Gespräch, einem Amerikaner, der auf seine Frau wartet. Sie ist bei ihrer Tochter und deren Familie an Bord und gerade mitten in der großen Atlantiküberquerung. Geplant waren drei Wochen, aber wegen verschiedener Umstände ist sie inzwischen schon sieben Wochen unterwegs. Wir laden John an unseren Tisch ein und fragen, ob er am nächsten Tag mit uns losziehen will. Ablenkung hat er offensichtlich dringend nötig, denn alle paar Minuten schaut er auf sein Handy, ob sie schon vorankommen, obwohl die voraussichtliche Ankunft noch drei Tage entfernt ist.

Am nächsten Tag wollen wir die Westküste etwas genauer erkunden. Es gibt eine Straße an der Küste entlang, die irgendwann einfach aufhört, genau wie im Norden, also eine schöne Route. Beim Abholen des Autos treffen wir einen Deutschen, der am Vortag im Hafen angekommen war. Er hatte etwas Mühe gehabt, den Hafen über Funk zu erreichen, und Kees hatte ihm dabei geholfen. Wir unterhalten uns nett, haben später noch ein paarmal Kontakt mit ihm, und Kees trinkt auch mal ein Bierchen bei ihm an Bord.

Der erste Stopp ist eine Rhum-Destillerie. Es ist Samstag, und es wird nicht gearbeitet. So schön wie die, die wir vorher gesehen haben, ist sie nicht, aber es gibt eine prächtige Destillierkolonne.

Hinter den Gebäuden führt ein etwas steiler Weg etwa 100 Meter den Berg hinauf, und John fragt, ob es uns etwas ausmacht, ein Stückchen zu laufen. Kees ist schon ein ganzes Stück voraus, als John nach etwa 50 Metern ins Gebüsch am Wegrand abtaucht und wie ein Hund, der sich ein Plätzchen sucht, um einen Baum herumschnüffelt. Bei mir fällt der Groschen ziemlich schnell: Er ist am Geocachen. Für alle, die nicht wissen, was das ist: Leute verstecken etwas, stellen den Standort mit einem Hinweis in eine App, und andere Leute suchen danach. So kommt man auch mal irgendwohin. Dazu gehört ein kleines Logbuch, und John ist vorbereitet: Er zaubert einen Stift aus der Hosentasche und trägt seinen Fund am besonderen Datum 29.02.2020 ein. Wie sich herausstellt, ist er ein sehr erfahrener Geocacher und hat schon jede Menge Fundorte auf seinem Konto. Später an diesem Tag findet er noch einen, sein Tag ist also, glaube ich, schon gelaufen – im besten Sinne.

Der nächste Stopp ist St. Pierre, die Stadt, die vom Vulkanausbruch getroffen wurde. Wir besichtigen die Ruine des Theaters und gleich daneben die Zelle, in der der einzige Überlebende saß (siehe meinen vorigen Blog).

Wir besuchen eine alte Beobachtungsstation, von der aus wir einen herrlichen Blick über den Vulkan und das Tal haben,

und ein Bildungszentrum, das Centre de Découverte des Sciences de la Terre, wo wir einen Film über die Vulkanausbrüche und die Entstehung der Inseln sehen. Es gibt verschiedene Arten von Ausbrüchen, aber kurz gesagt läuft es darauf hinaus, dass die Lava jeweils anders ist und damit auch die Zusammensetzung des Landes, das dabei entsteht. Das sieht man deutlich an der Entstehung der Karibikinseln. Auf Guadeloupe, wo wir gerade sind, erkennt man klar, dass der Inselbogen durch zwei Arten von Ausbrüchen entstanden ist. Zuerst ein halber Ring im Osten, später ein zweiter halber Ring im Westen. Guadeloupe hat die Form eines Schmetterlings, und die westliche Insel ist viel höher, mit Kratern und Berggipfeln. Das Gebäude selbst wurde übrigens speziell so konstruiert, dass es Erdbeben übersteht.

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Wir fahren weiter, bis die Straße aufhört. Irgendwann sehen wir niemanden mehr, Häuser gibt es auch keine mehr, also denken wir, da kommt nichts mehr. Aber einen Kilometer vor dem Ende stehen entlang der ganzen Straße Autos geparkt, und wir kommen teilweise kaum noch vorbei. Obwohl man noch ein Stück weiterlaufen könnte, beschließen wir umzudrehen und bei St. Pierre Richtung Osten abzubiegen. Über traumhafte Straßen geht es durch traumhafte Natur. An der Westküste trinken wir ein Bier und fahren dann zurück Richtung Hafen, wo John uns abends zu einem köstlichen Abendessen einlädt.

Am nächsten Morgen spricht uns der Hafenmeister an: Wir dürften dort nicht ankern und müssten weg, eine freie Mooring hat der Hafen aber auch nicht. Wir glauben ihm zwar nicht – das Gebiet ist schließlich öffentlich, und nirgends auf der Karte ist ein Ankerverbot eingezeichnet –, tun es aber trotzdem und legen uns weiter hinten in die Bucht. Dort liegen wir sowieso deutlich ruhiger, und mit dem Dinghi kommen wir ja trotzdem zum Hafen, wo das Auto steht. An diesem Tag fahren wir ein bisschen im Südosten herum, da waren wir noch nicht.

Unser Mietwagen hat eine ziemlich tiefe Frontschürze, und manchmal geraten wir auf Straßen voller Schlaglöcher und Buckel. Kees fährt und findet das ziemlich spannend – und anstrengend. Ein Weg ist bei Google Maps als kleine Straße eingezeichnet, ist aber nicht mehr als ein Feldweg und so schwer zu befahren, dass wir zu Fuß schneller gewesen wären. Nach dieser Anstrengung reicht es uns, und wir beschließen, in die Hauptstadt zu fahren und Sushi essen zu gehen. In der Bucht läuft gerade ein Schwimmwettbewerb, und es herrscht ein fröhliches Treiben. Vor dem Essen trinken wir noch einen auf dem Balkon einer Kneipe und kommen dort mit zwei Einheimischen ins Gespräch, die ihren Sonntagsausflug machen. Einer der beiden arbeitet für die Behörden und bestätigt, dass wir dort, wo man uns weggeschickt hat, sehr wohl ankern dürfen. Der andere, der hauptsächlich redet, betreibt eine kleine Pizzeria, die sonntags geschlossen ist. Er ist wahnsinnig witzig und klatscht ständig mit Kees ab. Wir haben richtig viel Spaß, und nach etlichen Drinks schaffen wir es dann doch noch, zum Essen loszukommen. Es ist nicht das beste Sushi, aber weil sonntags nicht viele Restaurants offen haben und wir endlich mal wieder etwas anderes essen, genießen wir es sehr.

Am Montagmorgen nimmt Kees das Dinghi und den Tretroller, um das Päckchen abzuholen, das neue Teil für das Bugstrahlruder. Das geht ganz schnell, und ehe ich mich versehe, ist es eingebaut und das Bugstrahlruder funktioniert wieder. Wir erledigen noch die letzten Einkäufe und geben das Auto zurück. Weil Kees noch eine Telefonkonferenz hat und wir hier sicher sein können, dass das Internet funktioniert, bleiben wir noch ein paar Tage liegen.

Am Donnerstag verlassen wir Martinique Richtung Guadeloupe. Um uns das Theater mit dem Ein- und Ausklarieren zu sparen, bleiben wir in Frankreich und lassen Dominica links liegen. Übernachten tun wir dort allerdings in der Prince Rupert Bay; Plätze weiter südlich sahen zwar schöner aus, erwiesen sich aber als ungeeignet zum Ankern. Am nächsten Tag ist es nur noch ein kurzer Schlag zu den Îles des Saintes, den südlichen Inseln von Guadeloupe. Wir gehen an eine Mooring bei Îlet à Cabrit. Man kann dort herrlich schwimmen und schnorcheln. Mit dem Dinghi sind es ungefähr zehn Minuten bis Terre-de-Haut, ein sehr gemütliches Städtchen, in dem wir frisches Brot holen und an zwei Abenden hintereinander in einem wunderbaren Restaurant, dem Ti Kaz’la, essen gehen. Ihre Spezialität ist ein köstliches Mango-Soufflé, das man gleich zu Beginn bestellen muss. Am ersten Abend haben wir das verpasst, also schlagen wir am zweiten zu. Tatsächlich köstlich!

Wir verlegen das Boot ein paarmal an eine andere Stelle in der Bucht, aber am Ende ist der Ankerplatz bei Îlet à Cabrit doch der beste. Ein paar luxuriöse Superyachten (Pi, Ace samt Versorgungsschiff Garçon 4 Ace) liegen ebenfalls in der Bucht, und alle paar Tage läuft ein Kreuzfahrtschiff die Insel Terre-de-Haut an.

Bevor wir zu den Inseln weiter nördlich von Guadeloupe aufbrechen, wollen wir noch ein paar Tage zur Hauptinsel, und zwar am liebsten ein paar Tage in eine Marina. Ich rufe in der Marina Rivière-Sens im Südwesten von Basse-Terre an, der westlichen Insel von Guadeloupe, und wir können kommen. Es ist ein kleiner Hafen, aber alles ist in der Nähe: Bäcker, Metzger, Supermarkt und ein paar Restaurants.

Fortsetzung im nächsten Blog.

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